Anders Fogh Rasmussen hat gegenüber Politico betont, wie wichtig es sei, dass Europa endlich lernt, selbst auf eigenen Füßen zu stehen. Wörtlich meinte er: 'Wir müssen lernen, für unsere eigene Sicherheit zu sorgen.' Zwar sieht er die Nato weiter als das Rückgrat europäischer Verteidigung – und das, trotz aller Diskussionen um ihre Reform. Gleichzeitig will er aber, dass sich das Bündnis wandelt. 'Was wir brauchen, ist so etwas wie eine europäische Nato', sagte er, was zwischen den Zeilen fast wie eine Provokation für Transatlantiker klingt. Realistisch betrachtet, räumt er ein, dass Europas Verteidigung kurzfristig weiterhin an die USA gebunden bleibt – aber gerade darin sieht er einen Ansporn: Europa solle diese Situation als Chance begreifen, endlich robust eigene Waffen und Munition herzustellen. Die wachsende Zurückhaltung Washingtons geht für ihn Hand in Hand mit mehr Verantwortung in Paris oder Berlin. Es klingt nüchtern, aber irgendwie auch kämpferisch: 'Wir sollten das als Möglichkeit betrachten.' Ganz ehrlich: Dieser Gedanke wirkt keineswegs abwegig, wenn man auf das aktuelle Weltgeschehen blickt.
Der frühere Nato-Generalsekretär Rasmussen appelliert an Europa, mehr Eigenverantwortung in Sicherheitsfragen zu übernehmen. Die Nato bleibt seiner Ansicht nach zwar unverzichtbar, doch müsse sich Europa schleunigst auf den Ausbau eigener Verteidigungsstrukturen konzentrieren – sowohl politisch als auch industriell. Angesichts der sich wandelnden US-Außenpolitik, etwa durch die Debatte um eine mögliche Wiederwahl Donald Trumps, wächst in Europa die Sorge, künftig als sicherheitspolitisch abhängiger Juniorpartner zu agieren. Rasmussen spricht damit einen Tenor an, der sich auch in aktuellen Debatten zu europäischen Rüstungsprojekten und der Stärkung der gemeinsamen Verteidigungsfähigkeit wiederfindet, wie etwa im neuen EU-Fonds für die Beschleunigung der Waffenproduktion und bei zögerlichen nationalen Verteidigungshaushalten.