KI: Ersatz für Qualifikation? Unternehmen wägen ab

Etwa jedes fünfte Unternehmen, das bereits auf Künstliche Intelligenz setzt, hält es für (sehr) einfach, Fachkräfte mit Unigraduation gegen KI-gestützte, niedriger qualifizierte Mitarbeitende auszutauschen.

heute 07:59 Uhr | 2 mal gelesen

So hat das Münchner Ifo-Institut erhoben. Interessanter Punkt: Knapp 15 Prozent dieser Firmen sind überzeugt, dass sogar Berufserfahrung ersetzbar sei – wenn man KI klug nutzt. Anna Ruffert, Ifo-Expertin, wirft ein, dass Arbeitswelt und Anforderungen sich durch KI deutlich wandeln: Plötzlich zählt teils weniger, ob jemand einen offiziellen Abschluss oder jahrelange Erfahrung vorweisen kann – zumindest in bestimmten Bereichen. Was auffällt: 54,5 Prozent der befragten Firmen nutzen KI bereits im Tagesgeschäft. Besonders der Handel springt ins Auge: Fast ein Drittel der Unternehmen in dieser Branche schätzt das Ersetzen von hochqualifizierten Kräften durch KI-unterstützte, weniger Qualifizierte als "leicht" ein. Dienstleistungen, Industrie und auch die Baubranche zeigen ähnliche, wenn auch etwas geringere Tendenzen. Spannend: Erfahrung bleibt trotzdem ein wertvolles Gut. Vor allem im Handel sehen Firmen etwas häufiger die Möglichkeit, auf KI-unterstützte Berufseinsteiger zu setzen, während Baubranche und produzierendes Gewerbe skeptischer bleiben. Ein Großteil der Unternehmen, selbst mit KI-Erfahrung, sieht Stand jetzt erhebliche Hürden dabei, Qualifikation oder Praxis wirklich durch KI zu ersetzen – laut Ruffert ein Fingerzeig, wie differenziert das Thema zu betrachten ist.

Die Ifo-Studie zeigt, dass KI die Anforderungen an Arbeitskräfte durchaus verändert, doch viele Betriebe halten an der Bedeutung von Ausbildung und Erfahrung fest. Der Trend ist besonders im Handel sichtbar, wo der Austausch von Qualifikation durch KI als am einfachsten empfunden wird. Dank KI könnten künftig neue Wege der Zusammenarbeit und Personalrekrutierung entstehen – dennoch bleiben viele Unternehmen vorsichtig und bewerten den vollständigen Ersatz von Expertise durch KI-Nutzer skeptisch. Aktuell wird in zahlreichen Leitartikeln und Branchenanalysen KI als möglicher Jobmotor ebenso wie als potenzielle Gefahr für bestehende Berufsbilder diskutiert. Experten warnen, dass der zunehmende KI-Einsatz zu einer Polarisierung auf dem Arbeitsmarkt führen könnte: Einerseits gibt es neue Chancen für weniger Qualifizierte, gleichzeitig könnten gerade anspruchsvolle Tätigkeiten stärker unter Druck geraten. Gesellschaftlich bleibt daher offen, wie Weiterbildung, Umschulung und neue Bildungsformate mit der rapiden Technik-Entwicklung Schritt halten können. Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund betont, sollte die Rolle von KI im Arbeitsleben kritisch begleitet und sozial abgefedert werden.

Schlagwort aus diesem Artikel