LOOP Markt in Haimhausen: Ein Supermarkt als Rohstoffspeicher

Haimhausen bei München – Die Debatte um Nachhaltigkeit im Einzelhandel beschränkt sich oft auf Plastiktüten und Verpackungen. Aber kaum spricht jemand über die eigentlichen Bauten – dabei schlucken gerade Supermärkte beim Bau Unmengen an Materialien, die später im Müll landen. Die RATISBONA Handelsimmobilien aus Regensburg denken in Haimhausen jetzt radikal neu: Mit dem sogenannten LOOP Markt soll ein Supermarkt entstehen, der nicht als Abfallhaufen endet – sondern dessen Materialien später wieder zu neuem Leben erwachen können. Am 19. Mai startete das ungewöhnliche Projekt mit einem feierlichen Spatenstich; die Tore sollen 2026 öffnen. Verantwortlich für den Markt ist Edeka Südbayern, unterstützt durch die Cradle-to-Cradle-Expert:innen von EPEA.

heute 15:00 Uhr | 3 mal gelesen

Wann hat man zuletzt an das Material gedacht, aus dem ein Supermarkt gebaut ist? Die allermeisten betreten höchstens das Gebäude, füllen ihren Einkaufswagen – und nehmen aber nie wahr, was eigentlich um sie herumsteht. Jetzt aber wagt sich Haimhausen an ein schwieriges, vielleicht sogar etwas sperriges Experiment: zirkuläres Bauen. Statt Betonwände und stählerne Skelette wächst hier eine Holzkonstruktion heran; so wird das, was üblicherweise nach 30 Jahren auf der Deponie landet, zum künftigen Materiallager. Ein Supermarkt als Zwischenstation für Rohstoffe – klingt schräg, ergibt bei genauerem Nachdenken aber überraschend viel Sinn. Sebastian Schels von RATISBONA packt es so: Klar, Ökologie steht im Vordergrund, aber auch wirtschaftlich macht’s einfach mehr Sinn, von Anfang an Materialien nicht zu verschwenden. Ein Lebenskreislauf-Check nach dem "Cradle to Cradle"-Prinzip steht hinter den Plänen, der von Bau über Betrieb bis zum Rückbau rechnet. Noch so ein Punkt: Oft meint Recycling im Bau, dass alles zu minderwertigem Recycling-Schotter wird, in Straßen oder Gruben verschwindet. Genau das will man umgehen. Wer das Projekt plant – die EPEA GmbH – dokumentiert alle Rohstoffe akribisch, von der LED-Lampe bis zum Einkaufskorb. Der digitale Materialausweis, quasi ein "Circularity Passport", speichert, was einmal verbaut wurde. Wie eine Zutatenliste für das ganze Haus. Und er lässt sich später prüfen: Was davon taugt noch, wo gibt’s Schadstoffe, was darf zurück in den Kreislauf? Die ökologischen Entscheidungen reichen bis zur Parkplatzbegrünung. Der Außenraum zählt doppelt und wird nach dem sogenannten Schwammstadt-Prinzip gestaltet. Heißt: Regenwasser landet nicht direkt im Gully, sondern versickert. Der Boden wird nicht versiegelt, sondern speichert Wasser, um Fluten und Hitze zu begegnen. Lebensraum für Insekten, kleine Tiere, sogar Eidechsen inklusive – zumindest, wenn die Planung so aufgeht.

Der LOOP Markt in Haimhausen will den konventionellen Supermarktbau umkrempeln. Statt Ressourcen zu verschwenden, fungiert das Gebäude als Rohstoff-Depot: Elemente wie Holz ersetzen Beton, und jedes Bauteil erhält einen digitalen Pass zur Rückverfolgung. Das Gebäude orientiert sich am Cradle to Cradle-Prinzip, sodass praktisch kein echter Abfall entsteht, sondern alles einen weiteren Nutzen bekommt. Flächenversiegelung wird so weit wie möglich vermieden, Wasser wird gesammelt und langsam abgegeben, und die Außenanlagen bieten ökologische Vielfalt. Für die Zertifizierung und Beratung sorgt die EPEA GmbH, ein Pionier in Sachen Kreislaufwirtschaft. Neue Recherchen zeigen, dass der politische Druck für diese Art des Bauens durch EU-Richtlinien zur Kreislaufwirtschaft und CO₂-Reduktion steigt. Auch andere große Einzelhandelsunternehmen starten Pilotprojekte für zirkuläre Immobilien. Studien der Bauwirtschaft zeigen ferner, dass solche Gebäudekonzepte langfristig günstiger und nachhaltiger sind, auch wenn die Anfangsinvestitionen höher ausfallen. Zusätzlich setzen Kommunen und Bundesländer in Deutschland zunehmend auf Schwammstadt-Prinzipien, um städtische Hitzeinseln und Starkregenfolgen abzufedern. Gerade in Bayern werden entsprechende Auszeichnungen und Förderungen – wie der Bayerische Klimaschutzpreis – verstärkt an nachhaltige Immobilien vergeben.

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