Das Haber-Verfahren, mit dem bei der Vergabe staatlicher Gelder vorsichtshalber eine Einschätzung durch den Verfassungsschutz eingeholt wird, ist laut Weimer eine Maßnahme, die im kulturellen Bereich höchst selten zum Tragen kommt. Im aktuellen Fall einer der nominierten Buchhandlungen, die sich mit dem umstrittenen Slogan 'Deutschland verrecke' solidarisiert hatte, habe dies die Preiswürdigkeit grundsätzlich infrage gestellt, erklärte der Kulturstaatsminister im Gespräch mit den Funke-Zeitungen. Weimer betonte gleichzeitig, dass die Proteste und der daraus entstandene Wirbel zu zusätzlicher Aufmerksamkeit geführt hätten: Laut ihm seien die betreffenden Buchhandlungen in ihrem offenen Protestbrief sogar dankbar für die immense öffentliche Unterstützung gewesen. Ihm sei an einem breiten Austausch mit der Branche gelegen, weshalb er konkrete Gespräche mit den wichtigsten Vertretern des Buchhandels ankündigte – auch um die künftige Ausrichtung des Buchhandlungspreises zu diskutieren. Vielleicht, so könnte man munkeln, wird diese Debatte auch zu einem grundsätzlicheren Nachdenken darüber führen, wie politisch Buchhandlungen eigentlich sein dürfen – oder müssen.
Nach der umstrittenen Absage der Preisverleihung für den Deutschen Buchhandlungspreis meldete sich Kulturstaatsminister Weimer zu Wort, um sein Vorgehen zu erklären. Eine der in Frage stehenden Buchhandlungen hatte öffentlich ein extrem polarisierendes Statement unterstützt, was den Einsatz des sogenannten Haber-Verfahrens zur Folge hatte – dieses kommt in Kulturbereichen laut Weimer sehr selten zur Anwendung. Infolge der erhitzten Debatte hat Weimer angekündigt, die wichtigsten Akteure zu einem Branchendialog einzuladen, um die zukünftigen Kriterien und den gesellschaftlichen Stellenwert des Preises zu besprechen. Aktuell berichtet unter anderem die ZEIT über eine zunehmende Verunsicherung bei kleinen Buchhandlungen, wie politische Haltung und unternehmerische Unabhängigkeit miteinander vereinbar seien, während FAZ und Der Spiegel das grundsätzliche Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit, Förderpolitik und gesellschaftlicher Verantwortung aufgreifen.