Münchner Unternehmer wagt neues Taco-Experiment – mit Token statt Bankkredit

Vier Hotelpleiten, Millionen verloren und trotzdem nicht aufgegeben: Christian Lehmann, Münchner Gastronom, holt Taco Bell nach Bayern - und setzt dabei auf eine ungewohnte Kapitalquelle. Wie Krisen, Blockchain und die Lust auf Tacos eine überraschende Finanzierungsgeschichte schreiben.

vor 21 Minuten | 2 mal gelesen

Christian Lehmanns Berufsweg begann eigentlich am grün-bewachsenen Bodenseeufer – Frühstückstische decken mit den Großeltern, abends Besteck polieren. Diese unschuldigen Momente, so erzählt Lehmann heute, brannten sich tiefer ein als jedes Lehrbuch, und vielleicht ist es dieser persönliche Zugang, der ihn durch alle Höhen und Tiefen trägt. Nach Lehr- und Wanderjahren bei Feinkost Käfer und im Herzen der Allianz Arena wagte er 2011 den großen Schritt: eigenes Restaurant, dann Hotel daneben. Daraus wurden sechs Standorte, ein Cateringunternehmen, Lunchpakete für Ämter – bis Corona kam. Kein Umsatz, keine Hilfen, leerstehende Hotels. 3,6 Millionen Euro Eigenkapital – einfach weg. Lehmann war gezwungen, so gut wie alles aufzugeben. Aber: Wer nur auf einem Bein steht, fällt schnell um. Lehmann setzte nach dem Absturz konsequent auf Diversifikation. Mit Partnern stemmte er Catering für Kliniken, Kantinen, Agenturen – tausende Essen pro Tag. Sein zweites großes Standbein entstand nach einem Familienbesuch in Berlin: Koreanisches Fast Food namens Mmaah! überzeugte sofort. Heute betreibt er drei Filialen und eine kühle Ghost Kitchen nur für Lieferdienste. Doch ein Plan ließ ihn nicht los: Taco Bell nach Bayern holen. Zwei Jahrzehnte hantierte Lehmann mit der Idee herum, bis der Kontakt zur Deutschland-Expansion entstand. Wenige Monate später lagen die Unterschriften für erste Standorte. Bayern, vor allem München, Nürnberg und Passau, werden nun mit Tacos versorgt. Das Startkapital – sieben bis acht Millionen – holen sie diesmal jedoch nicht von der Bank. Die Pandemie hat ihre Spuren im Kredit-Scoring hinterlassen, erklärt Lehmann, klassische Finanzierung sei illusorisch. Über Kontakte zu einer Wertpapierfirma führte der Weg schließlich zur Blockchain. Tokenisierung nennt sich das, klingt technisch, ist am Ende aber ein digitaler Wertpapiervertrag, reguliert in Deutschland, kein Wagnis wie wilde Kryptoschöpfungen. Nur 31 Werktage dauerte die BaFin-Genehmigung dafür. Schon jetzt können Investoren ab 1000 Euro einsteigen und auf bis zu 14 Prozent Rendite hoffen – realistisch, aber ohne Garantie. Mitarbeiter verdienen überdurchschnittlich, Nachhaltigkeit findet statt, so lange die Franchise-Vorgaben mitspielen. Auch KI ist dabei: Reservierungen werden inzwischen teils automatisiert bearbeitet. Lehmann ist gleichzeitig offen und skeptisch: Er kennt noch kaum andere Mittelständler, die solch einen Weg gegangen sind, aber sein Bauchgefühl sagt, es ist den Versuch wert. Vielleicht ist es kein Modell für alle – aber dass es geht, das will er der deutschen Unternehmerszene demonstrieren. Und am Ende entscheidet eben doch der Geschmack.

Christian Lehmann setzt auf ein neuartiges Finanzierungsmodell, um die Expansion von Taco Bell in Bayern voranzutreiben: Statt klassischer Bankkredite nutzt er ein von der BaFin genehmigtes, blockchainbasiertes Wertpapier – sogenannte Security Token. Dieses Vorgehen ermöglicht es Anlegern, sich ab 1.000 Euro zu beteiligen und dabei auf jährliche Renditen von über sieben Prozent zu hoffen. Die konsequente Diversifikation seiner Geschäftsbereiche sowie ein überdurchschnittlich fairer Umgang mit Mitarbeitern machen seine Strategie unkonventionell, aber auch beispielhaft für die strukturellen Herausforderungen im deutschen Mittelstand, insbesondere in der Gastronomie. Ergänzende aktuelle Details: - Wie der "Spiegel" berichtet, erleben innovative Finanzierungswege wie Tokenisierung zunehmend Interesse – insbesondere dort, wo Banken bei Start-ups oder Mittelständlern zögerlich sind. - Die Debatte um Tokenisierung, Digital Assets und die Transformation der Gastronomie-Branche wird derzeit auch auf Branchenevents und in Experteninterviews der "FAZ" oder „t3n“ intensiv diskutiert. - Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind zwar komplex, aber immer mehr Start-ups und Mittelständler entdecken die Vorteile: schnellere Prozesse, weniger Bürokratie, mehr Flexibilität (siehe "FAZ" und "t3n").

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