Laut Nouripour befindet sich die deutsche Außenpolitik gegenüber dem Iran in einer Art Schockstarre – man schaue nur noch zu, wie die USA und Teheran agierten, statt selbst die Initiative zu ergreifen. Besonders in Bezug auf Johann Wadephul, CDU, übte er bei einem Interview mit dem Sender „Welt“ deutliche Kritik: 'Ich muss ehrlich sagen, mir fehlt ein aktiver deutscher Außenminister. Was bislang kommt, sind vor allem beunruhigte Stellungnahmen, aber keine eigenen Impulse. So kommen wir nicht wieder an den Verhandlungstisch.' Nouripour hält einen proaktiven europäischen Kurs für dringend angezeigt, gerade weil der Eindruck wachse, der Iran werde in seiner Position bestätigt – auch ihre Bereitschaft, die Regeln des Spiels festzulegen, nehme zu. Die Situation am Golf, speziell in der Straße von Hormus, sei völlig untragbar – zivile Schiffe stünden unter Beschuss, ein Waffenstillstand sei nur theoretisch vorhanden. Der Grünen-Politiker meint sogar, dass aus Gründen der öffentlichen Wahrnehmung der Begriff Waffenstillstand lieber nicht aufgegeben werden sollte, denn das würde das faktische Kriegsszenario nur weiter eskalieren lassen. Man müsse klarer benennen, was hier eigentlich passiert.
Omid Nouripour fordert von der Bundesregierung und speziell von CDU-Politiker Johann Wadephul mehr Eigenständigkeit und Initiative im Umgang mit dem Iran, statt weiterhin ein rein reaktives Verhalten gegenüber den USA und der Islamischen Republik zu zeigen. Besonders mahnt er an, dass Deutschland und seine europäischen Partner sich deutlich aktiver einbringen sollten, um bei Verhandlungen wieder eine relevante Rolle zu spielen – gerade auch, um den Eindruck und die Realität iranischer Stärke und Einflussnahme nicht zu verfestigen. Interessanterweise werden Stimmen lauter, die sowohl die deutsche Zurückhaltung als auch die begrenzte Schlagkraft der EU-Außenpolitik öffentlich hinterfragen und eine eigenständigere diplomatische Linie fordern, wie unter anderem in aktuellen Analysen und Kommentaren zahlreicher Tageszeitungen (siehe weiter unten) zu lesen ist.