Manchmal sind es Tanker – diese unbeweglich wirkenden Kolosse auf See – die den Puls politischer Beziehungen anzeigen. Vor wenigen Stunden hat die „Anatoly Kolodkin“, nach Berichten russischer Agenturen, in Matanzas (im Westen Kubas) festgemacht. Davon soll eine ganze Schiffsladung Hoffnung und Frustration gleichermaßen abhängen: Rund 730.000 Barrel Rohöl, in Zeiten rarer Energiezufuhr. Spannend war das politische Vorfeld: US-Präsident Trump äußerte sich dazu überraschend gelassen. Während eines Gesprächs auf dem Flug mit der Air Force One sagte er, dass er kein Problem damit sehe, wenn Kuba beliefert wird – wohl auch mit Blick auf das Leid der Bevölkerung. Ob das Öl letztlich aus Russland, Brasilien oder dem Mars kommt, war ihm, so seine Worte, quasi schnuppe.
Kuba hatte zuletzt einen harten Kurs zu spüren bekommen. Kein Venezolanisches Öl mehr, nachdem die USA dort Präsident Maduro festsetzten, kein Nachschub aus Mexiko oder anderen Ecken – fast wie ein imaginäres Embargo. Die Folgen waren sichtbar: Stromausfälle, Müllberge in Havanna, Schwierigkeiten in Spitälern. Die Situation ist existenziell angespannt.
Ob die ‚kolodkinsche‘ Lieferung jetzt Linderung bringt? Auch in Berlin, beim Auswärtigen Amt, weiß man’s nicht genau. Eine Sprecherin meinte ehrlich, sie könne den Effekt gerade kaum abschätzen – und ob das Geld aus den Ölgeschäften den Russen im Ukraine-Krieg weiterhilft, dazu wollte sie auch nichts sagen. Klar ist nur: Die Menschen in Kuba stehen weiterhin unter Druck. Internationale Hilfe, etwa über den UN-Nothilfefonds CERF, an dem unter anderem Deutschland beteiligt ist, bleibt wichtig.
Nach der Ankunft der „Anatoly Kolodkin“ in Kuba bleibt die Lage diffizil. Einerseits bringt die Lieferung dringend benötigtes Öl und möglicherweise vorübergehende Entlastung für die Bevölkerung, die seit Monaten mit Energieengpässen, Problemen in der medizinischen Versorgung und Infrastruktur kämpft. Andererseits sind die politischen und wirtschaftlichen Implikationen schwer abschätzbar: Russlands Energieexporte gelten als Finanzierungsquelle für den Krieg gegen die Ukraine, und die Öffnung für russisches Öl könnte die geopolitischen Spannungen weiter verschärfen. Zusätzlich berichten aktuelle Quellen, dass Kuba trotz der neuen Lieferung weiterhin strukturelle Herausforderungen bei der Energieversorgung sieht, weil viele Raffinerien marode sind und Nachschub unsicher bleibt. Mehrere internationale Medien betonen außerdem, wie sehr die Bevölkerung weiterhin auf humanitäre Unterstützung angewiesen ist und staatliche Hilfsmechanismen an ihre Grenzen stoßen. Nicht zu vergessen: Der Schritt Russlands wird im Westen unterschiedlich bewertet, zwischen diplomatischem Achselzucken und erhobener Warnflagge.