Scholz warnt vor Minderheitsregierung: „Wer das fordert, verdrängt Geschichte”

Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) positioniert sich scharf gegen die Idee einer Minderheitsregierung unter Führung von CDU und CSU und plädiert energisch für die Brandmauer gegenüber der AfD. In einem Meinungsbeitrag in der „Zeit“ appelliert Scholz daran, sich der historischen Verantwortung zu stellen – und warnt vor einfacher Machtarithmetik.

heute 13:24 Uhr | 2 mal gelesen

Olaf Scholz nimmt in den aktuellen Diskussionen um ein eventuelles vorzeitiges Ende der schwarz-roten Koalition keine Blatt vor den Mund: Die Forderungen nach einer Minderheitsregierung hält er für „geschichtsvergessen“. Er blickt dabei zurück auf 2005, als die SPD zusammen mit den Grünen rechnerisch mit der Linkspartei eine Mehrheit hätte bilden können – dieser Schritt habe aber, so Scholz, aufgrund fundamentaler Differenzen im Bereich Außen- und Sicherheitspolitik, richtigerweise nie stattgefunden. Dasselbe Muster habe sich 2013 wiederholt: Eine Regierung unter Ausschluss der Union sei nicht einmal erwogen worden, obwohl das rechnerisch möglich gewesen wäre. Heute, betont Scholz, gelte das Prinzip weiter – allerdings mit Blick auf die AfD, die nicht nur inhaltlich, sondern schon in ihrer Grundhaltung für demokratische Institutionen eine Gefahr darstelle. Scholz wirft der AfD vor, das Volk nur selektiv zu vertreten. Immer, wenn die Partei vom „Volkswillen“ spreche, bedeute das Ausschluss statt Gemeinsamkeit. Die AfD identifiziere Feindbilder, stütze sich auf Abgrenzung und arbeite aktiv daran, demokratische Werte und Institutionen zu schwächen oder gar zu delegitimieren. Gerade deshalb hält Scholz an der Brandmauer fest. Er warnt explizit: Eine durch rechtes Wohlwollen gestützte Minderheitsregierung könne rasch in eine feste Koalition kippen – mit unabsehbaren Folgen für die Demokratie.

Zusammengefasst spricht sich Scholz gegen Bestrebungen zu einer Minderheitsregierung aus, insbesondere, wenn diese durch Stimmen oder Duldung der AfD getragen würde. Er appelliert klar an die historischen Lehren der vergangenen Jahrzehnte und betont: Kompromisse mit Parteien am rechten Rand, die wesentliche demokratische Grundsätze infrage stellen, gefährden den demokratischen Zusammenhalt. Die Brandmauer sei für ihn weniger Formalie als vielmehr ein unverhandelbarer Schutzmechanismus für die Demokratie – ähnlich, wie es viele Beobachter nach wiederholten Verfassungsschutzbeobachtungen der AfD betonen. In den vergangenen Tagen wurde das Thema unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel weitergehend diskutiert. Dabei wurde etwa die Sorge geäußert, dass das politische Klima in Deutschland durch solche Debatten weiter polarisiert wird und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit demokratischer Institutionen schwindet. Einige Stimmen aus der CDU plädieren indes vereinzelt für Pragmatismus, um politische Blockaden aufzulösen, wobei etliche führende Köpfe weiterhin jede Zusammenarbeit mit der AfD oder Minderheitsmodelle unter deren Einfluss strikt ausschließen.

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