Vom mutigen Familien-Traum zur letzten Nürburgring-Runde: Das bewegte Ende von Santé Royale Racing

Nürburg/München – Es heißt Abschied nehmen: Stefan Kiefer und seine Söhne bestreiten gemeinsam ihr finales 24-Stunden-Rennen am Nürburgring – und verabschieden sich von ihrem Parade-Porsche.

heute 14:45 Uhr | 3 mal gelesen

Fünf Jahre voller Adrenalin, Reifenabrieb und familiärer Höhen und Tiefen auf den Rennkursen Europas: Santé Royale Racing, jenes ungewöhnliche Vater-Söhne-Team aus München, zieht am Wochenende den Helm zum letzten Mal über. Beim vierten Start am legendären 24-Stunden-Event am Nürburgring rollt der markante blau-goldene Porsche GT3 Cup – unter Insidern liebevoll „Hingucker“ genannt – zum letzten Mal durchs Fahrerlager.

Das Racing-Projekt entsprang weniger nüchterner Kalkulation als einer Art glühender Sehnsucht. Mit von der Partie: Unternehmer und Abenteurer Stefan Kiefer, dessen Söhne David und Marius, flankiert von Profi Luca Rettenbacher, der dem Team nicht nur fahrerischen Schliff, sondern auch Coach-Qualitäten mitgab. Die Vision? Gemeinsam, als Familie unter hunderttausenden Zuschauern, die berühmteste Langstrecke der Welt bezwingen – eine Idee, die anfangs so verrückt klang wie ein Marathonlauf in New York. Kein Wunder, dass Stefans Umfeld erst den Kopf schüttelte und dann staunte.

Die Sache mit dem Namen klingt fast wie aus einem Schrullen-Kabarett: Moderator Olli Martini rief beim Anblick des extravaganten Porsche einmal „Der Hingucker!“ – und seitdem ist der Name kleben geblieben wie Mücken nach Nachtfahrt. Intern längst Running Gag, wurde „Hingucker“ zum Synonym für Lebenslust, Mut und ein Quäntchen Verrücktheit.

Unabhängig davon, ob am Nürburgring oder in Europas Hotellandschaft: Stefan Kiefer, Bauingenieur, steht für Projekte mit Charakter. Santé Royale wuchs aus einer Einzelidee im sächsischen Bad Brambach zur Hotelkette mit vier Standorten (und bald fünf). Kiefers Lebensdevise: Gesundheit heißt nicht Kasteiung, sondern Genuss mit Maß, Balance, All-in-Momente – das spiegelt sich nicht nur in seinen Häusern, sondern auch am Lenkrad wider.

Marathon, Nürburgring, Le Mans – die Liste der 'Schnapsideen', die Stefan mit Konsequenz verfolgt, ist beachtlich. Mit den Söhnen im Cockpit und Rennprofi an der Seite reiften aus kleinen Träumen Episoden für die Familienbiografie. Besonders der Auftritt beim Le-Mans-Rahmenrennen 2023 dürfte ein Kapitel für immer bekommen haben.

Manchmal waren es nicht nur Rennerfolge wie Pole oder Klassensieg (das offizielle Qualifying 2024 sei erwähnt), sondern gerade die schwierigen Phasen – etwa als Stefan Kiefer 2023 in einen bösen Crash verwickelt wurde – die das 'Projekt Hingucker' prägten. Offenbar ist Motorsport wie das richtige Leben: Beides funktioniert selten ohne Blessuren.

Warum jetzt Schluss? Stefan Kiefer hält es mit dem Motiv aus dem Bergsteigen: Man muss einen Gipfel auch wieder verlassen können, bevor die Kraft ganz weg ist. Ruhm ist vergänglich, Erinnerungen nicht. Und: Stolz, Herz und ein bisschen Demut prägen den Abschied. „Es hätte schlimmer laufen können, vieles aber auch nie passieren müssen – wir haben einfach angepackt und erlebt, was nach Lehrbuch eigentlich unmöglich schien.“

Und nächstes Jahr? Kann gut sein, dass die Kiefers einfach nur auf der Zuschauertribüne stehen. Aber wie heißt es so schön? Benzin im Blut bleibt, egal ob am Steuer oder am Streckenrand.

Danke, Nürburgring – für fünf Jahre Wahnsinn, Gemeinschaft und Herzklopfen. Salut, Hingucker!

Santé Royale Racing, ein Rennteam aus München um Initiator Stefan Kiefer und seine beiden Söhne, beendet nach fünf Jahren sein Motorsport-Abenteuer. Nach mehreren erfolgreichen Europa-Einsätzen und emotionalen Höhepunkten – darunter ein Klassensieg beim Qualifikationsrennen für die Nürburgring 24h 2024 und eine Pole Position – verabschiedet sich das Team nun vom aktiven Wettbewerb. Die Familie verweist dabei auf ihre Philosophie von Genuss, Balance und Mut, gleichzeitig betont Stefan Kiefer das Bewusstsein um die Risiken des Motorsports und das Glück, ihre Leidenschaft ohne allzu schwere Rückschläge ausgelebt haben zu können. Ergänzend dazu ist derzeit beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring generell ein Generationenwechsel sichtbar, bei dem traditionelle ambitionierte Privatfahrer-Teams ihre (oft auch pandemiebedingt verzögerten) Projekte beenden und dabei Platz machen für neue professionelle Strukturen. Gleichzeitig erlebte das diesjährige Event einen Rekord an teilnehmenden internationalen Teams und ein Comeback der Fanszene nach mehreren eingeschränkten Jahren. Im internationalen Motorsport ist der Trend zu mehr Sicherheitsmaßnahmen und Nachhaltigkeitsinitiativen auch am Nürburgring spürbar, was Tradition und Moderne neu zusammenrücken lässt.

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