Villach – Es gibt Momente, da reicht Zuschauen einfach nicht mehr. Dass Protest und Widerrede klug, umsichtig und vor allem ohne Gewalt erfolgen können – das ist das große Thema der Europäischen Toleranzgespräche vom 17. bis 24. Mai 2026 in Fresach, einem wenig turbulenten Dorf, das sich zu einem Diskussionszentrum im Herzen Kärntens gewandelt hat. Die ungarische Parlamentswahl dient gewissermaßen als Ausgangspunkt – dort ist spürbar geworden, dass sich Unzufriedenheit und Sehnsucht nach Veränderung mit List und Ausdauer Bahn brechen können.
Der Startschuss fällt am 17. Mai mit einem ungewöhnlichen Konzert zum Gedenken an Ingeborg Bachmann, deren literarischer Widerstand gegen Zeitgeist und Machtmissbrauch fast schon sprichwörtlich ist. Den feierlichen Auftakt gestaltet dieses Jahr der Historiker Doron Rabinovici, gefolgt von einer intensiven Auseinandersetzung rund um die Frage: Was bedeutet die politische Entwicklung in Ungarn – und ihr Echo in Europa? Hierzu teilen unter anderem Melani Barlai, Dimitré Dinev und ARD-Reporterin Susanne Glass aus unterschiedlichen Perspektiven ihre Erfahrung.
Ein Literatenforum, Workshops mit Jugendlichen zum Thema Sprache als Mittel der Gegenwehr, sowie ein Wirtschaftsforum, das Versagensängste, Frustration und Betriebsblindheit im System thematisiert, stehen weit oben auf der To-Do-Liste. Die Diskussionspanels springen dabei ganz bewusst zwischen Kontroversen: Wie weit darf zivilgesellschaftlicher Widerstand gehen – wo verläuft die Grenze, wenn Demokratie und Menschenrechte bedroht werden? Wann schlagen Protest und Unmut in konstruktive Debatte um und was, zugespitzt gefragt, kann Literatur heute noch erreichen?
Mitten in diesem bunten Themenstrudel taucht die Frage auf, wie Individuen, aber auch Kollektive, der entfesselten digitalen Welt Paroli bieten können: Wer trägt Verantwortung, was kann Polizei, Justiz, Politik bewirken? Der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen, bürokratischen Zwängen und Basisbewegungen wird offen und ohne PR-Filter diskutiert. Erwähnt werden sollte auch die Verleihung des Toleranzpreises und eine Sonderausstellung zum Thema Widerstand im Toleranzmuseum – beide setzen eigene Akzente.
Die Toleranzgespräche in Fresach, ein mittlerweile fest etabliertes Ereignis seit 2015, holen nicht selten ihren Atem aus den alten Schriftstellertagungen und bringen jedes Jahr aufs Neue Debatte und Begegnung ins vielleicht manchmal schläfrige Kärntner Hinterland. Wem das alles zu viel Theorie ist, kann die abendlichen literarischen Interventionen oder das Abschlussfrühstück genießen. Die Veranstaltungen sind zum Glück auch digital erreichbar (siehe fresach.org).
Die Europäischen Toleranzgespräche 2026 stellen die Frage nach gewaltfreiem, verantwortungsvollem Widerstand gegen autoritäre Tendenzen und Missstände ins Zentrum. Programmhighlights sind das Gedenken an Ingeborg Bachmann, interdisziplinäre Panels zur politischen Entwicklung in Europa, Foren für junge und ältere Teilnehmer zu Sprache und Protest sowie Diskussionen zu den Chancen und Grenzen zivilen Ungehorsams. Aktuelle journalistische Berichte zeigen, dass in Europa – insbesondere nach den Wahlen in Ungarn – das Thema Widerstand neue Aktualität erhält: In mehreren Ländern sehen sich Bürger mit verschärften Einschränkungen konfrontiert, gleichzeitig formieren sich sowohl breite Protestbewegungen als auch zarte Bündnisse für mehr demokratische Teilhabe. Beispielhaft: Die Debatte um die Europawahlen und das Erstarken rechter Parteien sorgt unter Kulturschaffenden, politischen Beobachtern sowie NGOs europaweit für tiefe Verunsicherung, aber auch für neue Allianzen. Aus der internationalen Presselandschaft der letzten 48 Stunden ergibt sich außerdem ein Bild zunehmender Bemühungen, den Dialog zu suchen und gewaltfreie Strategien zu fördern, wobei der Fokus oft auf Bildung und Medienkompetenz liegt.