Meier dagegen weist jeglichen Vorwurf des Leichtsinns zurück: 'Wir gefährden unter gar keinen Umständen Leben. Unsere Passagiere, das Team, unsere Schiffe – die Sicherheit steht vorn.' Dass pro Jahr Millionen von Touristen die Golfregion bereisen, klingt in ihren Ausführungen fast wie ein Argument für eine Art Normalität.
Was viele nicht wissen: Noch zwei Wochen vor Kriegsausbruch sei eine Delegation in der Gegend unterwegs gewesen. 'Eine derartige Zuspitzung haben wir schlicht nicht erwartet', sagt Meier. Wäre ein Risiko abzusehen gewesen, hätte man sofort Kurs geändert: 'Im Gegensatz zu Hotels können wir flexibel reagieren.'
Im Krisenverlauf kamen dann gleich zwei Schiffe, 'Mein Schiff 4' und 'Mein Schiff 5', mit insgesamt 5.000 Menschen – Crew inklusive – in der Meerenge von Hormus zu stehen. 50 Tage waren sie dort mehr oder weniger gefangen, befreit erst nach einer kurzzeitigen Waffenruhe im April. Ein riskantes Unterfangen, das, so hört man, bisher nur wenigen Schiffen überhaupt gelungen ist.
TUI Cruises richtete ein Krisenteam ein, in Hochphasen arbeiteten 50 Leute rund um die Uhr, psychologische Betreuung für Crew und Gäste inklusive. Auch die Ausfliegungen der Passagiere über reguläre wie auch eigens gecharterte Maschinen blieben nicht auf der Strecke. 'Niemand wurde zurückgelassen', sagt Meier.
Die beiden Schiffe schließlich wurden von nur je 60 Besatzungsmitgliedern herausgefahren, nachdem internationale Organisationen und Behörden grünes Licht gegeben hatten. Iranische Stellen hätten zu keinem Punkt mitgespielt – ein Kontakt bestand wohl nicht. Auch von besonderen Gebühren oder Schutzabgaben war offenbar nicht die Rede.
Es bleibt das Gefühl: Die Balance zwischen Unternehmenserfahrung und Krisenmanagement ist in solchen Situationen verdammt schmal.
Was anfangs nach Routine klang, verwandelte sich durch den plötzlichen Irankrieg in eine Notsituation für TUI Cruises. Die Reederei sieht sich ungerechtfertigten Vorwürfen ausgesetzt, obwohl Sicherheit und Betreuung der Passagiere laut eigenen Angaben stets oberste Priorität hatten. Mehrere Berichte und aktuelle Recherchen zeigen: Die Lage im Persischen Golf ist weiterhin angespannt, die politischen Spannungen zwischen Iran und seinen Nachbarstaaten eskalieren seit Monaten (Quelle: [faz.net](https://www.faz.net)). Kreuzfahrtreisen in der Region werden zunehmend als Risiko eingeschätzt, Brancheninsider warnen inzwischen vor langfristigen Auswirkungen auf den gesamten Tourismussektor - parallel beobachten Experten eine wachsende Debatte über Verantwortung und Risikobewertung bei Veranstaltern (Quelle: [zeit.de](https://www.zeit.de)). Internationale Medien berichten, dass TUI Cruises letztlich als positives Beispiel für Krisenmanagement an Bord genannt wird – obwohl der Ablauf und die Kommunikation weiter kontrovers diskutiert werden (Quelle: [spiegel.de](https://www.spiegel.de)).