Was macht eigentlich die Faszination des Gleitschirmfliegens aus? Zugegeben, ich war skeptisch, ob die Vorstellung, in einem Sitzgurt hängend über Buchten zu schweben, wirklich so erhebend sein kann. Aber kaum steht man auf dem kargen Plateau des Babadağ, spürt den Wind, hört das Rascheln der Schirme – da ist dieser Moment: völlige Freiheit, aber eben auch mulmige Ehrfurcht.
Ölüdeniz, ein winziger Fleck mit stolzen Bewohnern, hat Paragliding praktisch in die Dorf-DNA geschrieben. Es ist fast absurd: Kaum jemand kommt nur zum Baden, alle zieht es mit großen Augen zum Startplatz hoch, jeder will zumindest einmal den Sprung wagen. Der Weg dorthin? Kurvig, holprig, immer wieder der Blick aufs Meer – lassen wir das Navi ruhig mal ausmachen, sich verfahren gehört dazu.
Die Flüge dauern meist so eine halbe Stunde, wobei Zeit ohnehin anders tickt, wenn man erst mal abhebt. Tandem mit erfahrenem Piloten, ein bisschen Nervenkitzel, spektakuläre Kurven – und irgendwann sieht der Alltag dort unten ziemlich klein aus. Unten, da ist dieser sandige Halbmond, der berühmte Strand. Reinster Postkartenkitsch – und in der Luft wirkt er wie gemalt.
Aber Fethiye lebt nicht nur für die Draufgänger. Zwischen Schmetterlingsbäumen im Butterfly Valley spazieren oder in einer Hängematte in der Kabak-Bucht dem leisen Summen der Insekten lauschen – geht alles, ganz ohne Adrenalinschub. Wer es sportlicher mag: Tauchen bei Afkule’s Felswänden, Rafting im kühlen Saklıkent-Canyon, oder einfach stundenlang auf dem Lykischen Weg wandern, irgendwo zwischen Antike und Mittelmeerträumen.
Vielleicht nehme ich mir nächstes Mal mehr Zeit, ein bisschen weniger Flug und mehr Land. Andererseits: Wer einmal wirklich geflogen ist – der weiß, der Boden hat plötzlich weniger Gewicht.
Das Gleitschirmfliegen in Fethiye, insbesondere am Babadağ, bleibt ein magisches Erlebnis für Abenteuerlustige – aber auch ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie sich eine Region durch einen einzigen Sport neu definiert. Tatsächlich verzeichnet Ölüdeniz inzwischen rund 200.000 Paragliding-Flüge pro Jahr, und der Tourismus boomt trotz gelegentlicher Sicherheitsdebatten (2024 wurde erneut streng kontrolliert und reguliert, um Unfälle zu verhindern). Neuere Berichte von FAZ und TheLocal.de betonen die erhöhte Nachfrage nach umweltverträglichen Flugerfahrungen und nachhaltigen Naturabenteuern rund um Fethiye; aktuelle Umweltinitiativen wie regelmäßige Strandsäuberungsaktionen und die Förderung umweltbewusster Touren zeigen, wie Tourismus und Naturschutz hier durchaus zusammengehen wollen. Zugleich entwickeln Anbieter innovative Angebote: Nachtgleitschirmflüge nur bei geeigneten Wetterbedingungen und Kooperationen mit lokalen Künstlern, die den Start- und Landeplätzen ein kreatives Gesicht verleihen. So bleibt Fethiye nicht nur Ziel für Draufgänger, sondern wird auch für bewusste Reisende immer interessanter.