Man könnte meinen, Deutschland ist nicht gerade das Land der Tropen – trotzdem wären viele gern wie in der Schule früher einfach nach Hause geschickt worden, wenn draußen die Sonne brennt. Laut einer jüngst veröffentlichten Forsa-Umfrage, die im Auftrag von RTL und ntv durchgeführt wurde, sind 77 Prozent der Befragten dafür, dass Beschäftigte im Freien oder in unklimatisierten Räumen ab 35 Grad „hitzefrei“ bekommen. Lediglich jeder Fünfte lehnt das ab – ganz egal, welcher Partei er oder sie nahesteht. Am deutlichsten wünschen sich Anhängerinnen und Anhänger der Linkspartei „hitzefrei“ (satte 94 Prozent!), wohingegen bei der AfD die Zustimmung noch am niedrigsten liegt, aber auch da immerhin zwei Drittel den Vorschlag gutheißen. Zwischen den Zeilen spürt man beinahe so eine Art Konsens – als hätten sich alle insgeheim auf Sommerferien im Büro geeinigt. Bemerkenswert ist, dass die Umfrage relativ frisch ist: Mit 1.009 befragten Menschen, und zwar Ende Juni 2026. Irgendwie erstaunlich, dass das Thema immer wieder hochkocht – obwohl der Sommer ja zwischen Bangemachen vor Hitzewellen und dem Berliner Wetter oft ganz eigene Kapriolen schlägt.
Der Wunsch nach „Hitzefrei“ breitet sich offenbar auch abseits der Klassenzimmer aus: Die Mehrheit der Deutschen will, dass Menschen nicht arbeiten sollen, wenn die Temperaturen über die 35-Grad-Marke klettern – zumindest draußen oder ohne Klimaanlage. Die sozialpolitische Debatte in Deutschland rückt damit zunehmend arbeitsrechtliche Fragen rund um Hitzeschutz am Arbeitsplatz in den Fokus. Während in anderen europäischen Ländern längst Hitzeschutzpläne existieren, gibt es hierzulande bislang meist nur Empfehlungen, aber keine verbindlichen Regelungen. In den Nachrichten der letzten Tage wird deutlich: Die Hitzewelle sowie gesundheitliche Risiken für Bauarbeiter, Zustellerinnen und viele andere Jobs im Freien sorgen weiter für Diskussionen. Immer mehr Gewerkschaften und Ärzt*innen fordern klare Schutzstandards – etwa frühere Arbeitszeiten, bessere Pausenregelungen oder sogar einen temporären „Hitzestopp“ ab bestimmten Gradzahlen.