Monokulturen sprießen, uralte Wälder fallen – und trotz aktueller Schlagwörter wie "Biodiversity Credits" bleibt der große Wurf für mehr Artenvielfalt bislang aus. Zwar wird darüber diskutiert, der Natur einen handfesten Marktwert zu verpassen, in der Praxis scheitern solche Projekte oft schon am zögerlichen Umschwenken traditioneller Wirtschaftskreisläufe. Kürzlich kehrte Matto Barfuss, Gründer der gleichnamigen Stiftung, von einer seiner vielen Reisen aus Uganda zurück – ein Ritual, das er seit fast einem Vierteljahrhundert pflegt. Diesmal hatte er nicht nur Gäste, sondern auch seine Kamera im Gepäck. Der daraus entstandene Musikfilm verzichtet auf Kommentare, um Raum für die eigenen Gefühle zu lassen und heißt treffend "Eine Reise in die Geschichte der Menschheit".
Barfuss berichtet, wie es sich anfühlte, ein Land so lange zu begleiten: „Uganda könnte ein Bild für die Welt sein – Bevölkerungswachstum trifft auf schwindende Natur, die Ansprüche wachsen, doch neue Flächen sind kaum noch nutzbar. Letztlich bleibt nur die Möglichkeit, bestehende Landwirtschaft zu intensivieren und mehr Handel zu treiben.“
Im Fokus seiner Reisen stehen vor allem unsere nächsten Verwandten: Schimpansen (98,7 % genetische Übereinstimmung mit Menschen) und Berggorillas (98,4 %). Gerade die feinen Unterschiede zwischen den Arten faszinieren ihn: „Schimpansen führen mitunter regelrecht Kriege, während Gorillas einen friedvollen Umgang pflegen. Und immer wieder merke ich, wie sehr meine Gäste bei der Begegnung mit Gorillas bewegt werden.“
Barfuss glaubt: Artenschutz wird zu sehr ökonomisch gedacht – und das verkennt die tieferen Zusammenhänge. Arten sterben in rasantem Tempo, schätzungsweise 150 jeden Tag. Für ihn ist klar, dass letztlich nur eine neue, fast schon philosophische Sicht auf die Natur helfen kann. Gorilla-Familien leben entspannt, sind sozial, verspielt und gönnen sich sogar mal einen berauschenden Snack. Ihr Blick, so Barfuss, habe mitfühlende Tiefe: „Wenn ich von Gorillas gefilmt werde, stelle ich die Kamera scharf und begebe mich ganz auf die Begegnung ein – dann ist es für mich, als würde ich eine Weile alles andere vergessen.“
Womöglich bieten uns diese sanften Riesen tatsächlich einen Ausweg aus unserem Stresskarussell, indem sie zeigen, was im Kern zählt: Ruhe, soziales Miteinander, Lebensfreude. Ihr Lebensraum schrumpft jedoch – weltweit gibt es kaum mehr als 1.000 Berggorillas auf weniger als 800 Quadratkilometern. Trotzdem sieht Barfuss sie als Hoffnungsträger. Wer selbst so eine Begegnung wagen will: Barfuss bietet regelmäßig Reisen an. Im Herbst 2027 ist die nächste Chance.
Seine Stiftung arbeitet international, neuerdings mit einem Büro am Okavango-Delta in Botswana. Ziel: Bestehende Schutzgebiete ausweiten, Wildkorridore schaffen – damit Vielfalt und Arten langfristig eine Überlebenschance haben.
Der Text stellt die Frage in den Raum, ob Gorillas – oder genauer gesagt die Begegnung mit ihnen – der Menschheit einen Perspektivwechsel ermöglichen können: Weg vom rein finanziellen Blick auf die Natur, hin zu mehr Demut und Respekt. Die ökonomischen Mechanismen des Naturschutzes, wie CO2-Bepreisung oder "Biodiversity Credits", greifen bislang zu kurz, da sie erstens keine nachhaltige Wirkung zeigen und zweitens künftige Ausbeutung bereits einpreisen. Persönliche Begegnungen mit Berggorillas, wie sie Matto Barfuss schildert, bewirken bei Menschen oft mehr als jede Debatte oder politische Maßnahme; die Tiere leben vor, was ruhiges, friedliches Miteinander bedeutet. Aktuell existieren weltweit nur noch rund 1.000 Berggorillas, verteilt auf wenige, bedrohte Schutzgebiete. Die Matto Barfuss Stiftung engagiert sich u. A. in Botswana für mehr Tierkorridore und gegen den Verlust der Artenvielfalt. Bei einer aktuellen Recherche (Juni 2024) zur Thematik bestätigt sich der Trend: Gorillas sind nicht nur biologisch faszinierend, sondern spielen auch in der Umweltpädagogik sowie bei Fragen des ökologischen Gleichgewichts eine prominente Rolle – ihre Präsenz in unterschiedlichen Medien wächst. Außerdem berichtet beispielsweise Quelle: Deutsche Welle über Maßnahmen zum besseren Schutz von Artenvielfalt und Delegationen aus Europa, die auf nachhaltige Projekte in Afrika setzen. Zudem entsteht, so Quelle: Die Zeit, international eine breitere gesellschaftliche Debatte über neue Strategien für den Schutz seltener Tierarten und ein gemeinsames politisches Handeln, während Quelle: FAZ einen Paradigmenwechsel bei der Finanzierung und beim Wert ökologischer Systeme fordert.