ZDF-Chef gesteht Pannen nach Rauswurf von Danger Dan und Levit ein

Norbert Himmler, der Intendant des ZDF, hat sich für die überstürzte Ausladung der Musiker Danger Dan und Igor Levit bei der Sendung 'Die Anstalt' ausgesprochen kritisch gezeigt. 'Die Kurzfristigkeit lag auf unserer Seite, das müssen wir uns ankreiden', so Himmler in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

heute 16:26 Uhr | 6 mal gelesen

Interessant, wie deutlich Himmler trotzdem an seiner Einschätzung zum Song 'Keine Angst' von Danger Dan festhält. Für ihn ist der Track unverkennbar ein Handbuch für widerständigen, durchaus radikal-linken Protest – und das gipfelt sogar in 'Grußbotschaften' an echte, teils juristisch verurteilte Linksextremisten. Gleichzeitig reagiert er scharf auf Vermutungen, das ZDF lasse sich politisch beeinflussen. Laut Himmler werden Programmentscheidungen vollkommen eigenständig und nach Sendermaßstäben getroffen – immer mit Blick auf das eigene Qualitätsempfinden. Seine Sorge war offenbar, dass ein so konfrontativer Musiktitel in einer Livesendung über sieben Minuten praktisch zum kollektiven Widerstand gegen rechts mobilisieren könnte – und dabei auch illegale oder gewaltsame Aktionen nicht kategorisch ausschließt. Genau das sah er als Bruch mit Senderstandards. Pikanterweise ist genau diese Jubliäumsausgabe der 'Anstalt', um die es geht, jetzt Zündstoff für eine offene Debatte geworden. Die Enttäuschung der Künstler kochte spätestens nach deren Instagram-Post hoch – wo sie der Entscheidung einen massiven Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit vorwarfen. Das ZDF verweist dagegen auf die Verantwortung als öffentlich-rechtlicher Sender, bestimmte Inhalte auszusparen, wenn der Eindruck von Gewaltverherrlichung entsteht.

Der Fall um die kurzfristige Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der Jubiläumsfolge von 'Die Anstalt' spaltet Öffentlichkeit und Sender gleichermaßen: Während ZDF-Intendant Norbert Himmler Fehler im Umgang mit den Künstlern einräumt, bleibt er bei seiner scharfen Kritik am Songtext – und verweist auf die Verantwortung des ZDF, Gewaltaufrufe aus dem Programm herauszuhalten. Die betroffenen Künstler empfinden das als Eingriff in die künstlerische Freiheit und lösen damit eine breite, teils hitzige Diskussion aus, in der es längst um mehr als den Einzelfall geht: Es wird grundlegend über Grenzen von Kunst, die Autonomie öffentlich-rechtlicher Medien und politische Einflussnahme gestritten. Selbst innerhalb der Redaktion und des Publikums zeigen sich inzwischen unterschiedliche Auffassungen, wie frei oder restriktiv Meinungsäußerung im Fernsehen sein sollte. In den letzten 48 Stunden gab es zahlreiche Berichte über diesen Fall und verwandte Debatten (Stand: Juni 2024): Die Süddeutsche Zeitung berichtet ausführlich über die Hintergründe, nennt die wachsende Kritik an der Redaktionsfreiheit des ZDF und zitiert Stimmen, die den Schritt als "Rückschritt für die Kunstfreiheit" begreifen. Laut der ZEIT wird diskutiert, welche Verantwortung Medien angesichts politisch aufgeladener Stimmung tragen und wie sich das Spannungsverhältnis zwischen Meinungsfreiheit und Sendebedingungen entwickelt. Die taz betrachtet den Fall als Paradebeispiel für die Zerreißprobe zwischen progressiver Kunst und öffentlich-rechtlichem Reglement und hinterfragt die Wirkung solcher Debatten auf das gesellschaftliche Klima.

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