Wenn’s ums Alter geht, will jeder sicher sein – gleichzeitig aber bitte auch flexibel. So zumindest klingt die neue Vision der Bundesregierung: Ein leicht verständliches Standardprodukt für die private staatlich geförderte Altersvorsorge, mit geringen Kosten, Online abschließbar, soll’s richten. Klingt logisch – wäre da nicht die Wirklichkeit. Laut DIVA-Sonderumfrage fühlen sich fast 70 Prozent der Geringverdiener mit dem neuen System ohne professionelle Beratung schlicht überfordert. Auch viele Durchschnittsverdiener zucken die Schultern. Die Anbieter müssen für die Reform ein Pflichtprodukt stellen, und doch droht ein Dschungel aus Varianten – ETF lässt grüßen, kaum einer versteht, was da im Hintergrund eigentlich läuft.
Noch brisanter: Die neue Förderung, das berühmte Altersvorsorgedepot, setzt auf Aktienfonds und Auszahlpläne, bis mindestens zum 85. Geburtstag. Nur: Weniger als ein Drittel der Befragten setzt auf Rendite, die Mehrheit will Absicherung, sprich: garantierte Rente. Doch Beratung ist künftig schwierig zu bekommen – die Politik will sie nicht mehr ordentlich vergüten. Folge: Womöglich werden klassische Rentenpolicen gar nicht mehr verkauft, obwohl viele sie bevorzugen würden.
Die Umfrage zeigt auch, dass vier von zehn Menschen wünschen, Risiken wie Erwerbsunfähigkeit weiter versichern zu können. Das wird mit der Reform erschwert. Am Ende steht die Frage: Welchen Nutzen bringt ein Reformpaket, das genau jene Inhalte ausklammert, die die Mehrheit braucht? Vielleicht entscheidet sich ja noch etwas im laufenden Gesetzgebungsverfahren – es bleibt spannend und ganz ehrlich: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die aktuelle Altersvorsorge-Reform der Bundesregierung setzt auf ein einfaches Standardprodukt und eine verschlankte Förderlandschaft, verlangt aber von den Bürgerinnen und Bürgern deutlich mehr Eigeninitiative und Kenntnisse über komplexe Finanzprodukte. Die repräsentative DIVA-Befragung bringt ans Licht, dass sich insbesondere sozial schwächere Gruppen ohne explizite Beratung ausgeschlossen fühlen – vor allem, da die Politik Beratung nicht mehr adäquat entlohnen will und viele Versicherer aufgrund eines Zillmerverbots gar keine klassischen Rentenprodukte mehr anbieten möchten. Seit Anfang Juni 2024 gibt es zudem in der öffentlichen Debatte teils harsche Kritik: Nicht nur Verbraucherschützer, auch etliche Sozialverbände und Vertreter der Versicherungsbranche fordern Nachbesserungen, beispielsweise bei der Berücksichtigung biometrischer Risiken wie Erwerbsunfähigkeit und einer praktikablen Beratungspflicht – laut Nachrichtenmagazinen wie „Der Spiegel“ und „FAZ“ ist im parlamentarischen Verfahren deshalb noch mit teils grundlegenden Änderungen zu rechnen. Aus den neusten Berichten (Stand Juni 2024) geht außerdem hervor: Die Umsetzung der Reform trifft auf Skepsis in der Bevölkerung, vor allem wegen Unsicherheiten bei der Produktwahl und einer allgemeinen Sorge, im System „abgehängt“ zu werden. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Politik, die bevorstehende Rentenlücke und steigende Altersarmut entschlossener und sozial ausgewogener anzugehen. (Quellen: Spiegel, FAZ, taz, DIVA)