Wer nach Antalya kommt, sucht manchmal einfach nur das Meer, die Sonne, etwas Sand zwischen den Zehen – und findet plötzlich einen Ort, wo sich 3000 Jahre Menschheitsgeschichte fast beiläufig zwischen Hotelburgen und Olivenhainen ausbreiten. Die türkische Riviera hat sich in ihrer langen Geschichte als Treffpunkt diverser Hochkulturen etabliert: Griechen, Römer, Lykier – hier hockt buchstäblich an jeder Ecke ein Stück Vergangenheit. Die Region ist längst mehr als bloßer Badeort; sie ist ein gigantisches Freiluftmuseum, in dem Geschichte atmet – oder ruht und gelegentlich ins Rampenlicht tritt, wenn beispielsweise wieder ein imposantes Theater aus dem ewigen Dornröschenschlaf geweckt wird.
Mein Lieblingsmoment? In Xanthos durch staubige Steine klettern, in denen sich Legenden wie vergilbte Buchseiten festgesetzt haben, und im nächsten Moment einen frappierend modernen Hauch von Pioniergeist zu spüren: Xanthos und Letoon brachten mit ihren Inschriften die lykische Sprache zum Sprechen und sind daher Welterbe der UNESCO. Kein Wunder, dass Patara stolzes Zentrum des lykischen Bundes war – und, ganz am Rande, ein Platz für frühe Demokratieübungen, die vor gut 2000 Jahren begannen.
Und dann, nur ein Wimpernschlag entfernt, taucht man an Pataras grenzenlosem Strand ins heute ab: Feiner Sand, 18 Kilometer lang, Dünen wie kleine Oasen politischer Neutralität. Dann wieder zurück nach Myra: Wo in Fels gemeißelte Gräber und zentnerschwere Reliefs stumm von Macht und Glauben erzählen. Hier prägte der legendäre Nikolaus als Bischof das frühe Christentum, inmitten einer Landschaft, in der Götter, Händler und Helden vorbeizogen.
Ganz anders im Osten: Perge versammelt Kolonnaden, Torbögen, Thermen und ein Stadion für 12.000 Menschen, als würde die Zeit manchmal einfach erstarren. Die Skulpturensammlung ist spektakulär und archäologisch wertvoll, die Rolle der Frauen in der Verwaltung ragt historisch heraus. Perge ist ein Fixpunkt auf dem sogenannten Paulusweg und inzwischen teils nachts bis 22 Uhr begehbar – wie auch Myra und das archäologische Museum von Side. Deshalb: Wer glaubt, dass sich Antalyas Abenteuer nur auf Liegen mit Strandtuch abspielen, der irrt. Aber schön, dass noch genug Platz zum Träumen bleibt.
Kulturreisen wachsen spürbar: Studien gehen für diesen Tourismussektor bis 2033 von knapp einer Verdopplung des internationalen Umsatzes aus. Besonders der Mittelmeerraum steht dank seiner historischen Vielfalt hoch im Kurs, wobei Antalya ein Hotspot bleibt. Politik und Tourismusagenturen ziehen hier an einem Strang, um neue Konzepte wie verlängerte Museumsöffnungszeiten, verbesserte Besucherführungen und hochwertigen Kulturtourismus aufzubauen, während die Welt gleichzeitig für mehr Nachhaltigkeit und Schutz antiker Stätten sensibilisiert wird. Außerdem: Viele Besucher berichten, dass gerade die unerwartete Mischung aus entspannter Ferienatmosphäre und ehrfürchtigem Staunen vor uralten Hinterlassenschaften den besonderen Reiz von Antalya ausmacht. Nach Recherchen von taz und FAZ wird der Kulturtourismus zunehmend als Motor für regionale Entwicklung betrachtet, zugleich aber auch kritisch gesehen – etwa im Hinblick auf die Auswirkungen des Massenandrangs auf teilweise fragile Ruinen und Ökosysteme.