Eigentlich hatte Strack-Zimmermann gar nicht vor, ins Rennen um die FDP-Vizepräsidentschaft einzusteigen. "Mir war klar, ich hab genug um die Ohren", verriet sie am Montagabend bei "Pinar Atalay" auf ntv. Sie verwies auf ihre schon fordernde Arbeit im EU-Parlament. Erst nachdem Henning Höne, den sie favorisierte, einen Rückzieher gemacht hatte, spürte sie in der Partei eine wachsend deutliche Unzufriedenheit. "Da lag richtig was in der Luft, viele wollten überhaupt erst mal eine Wahl haben." So entwickelte sich bei ihr nach und nach der Entschluss, selbst anzutreten – ziemlich spontan, wie sie betonte.
Strack-Zimmermann berichtet, sie habe den Plan ganz bewusst erst kurz vorm Parteitag gefasst und geheim gehalten. Lediglich rund 50 Leute aus dem Umfeld waren eingeweiht. Zu ihrer Überraschung sickerte nichts nach draußen. Die Politikerin sagte außerdem, sie habe vorher noch ein Jahr Doppelspitze mit Kubicki ins Spiel gebracht. Ihr Vorschlag: "Ein Jahr gemeinsam, einfach mal probieren." Kubicki lehnte jedoch ab. Sie schildert die Situation nicht als Fehde, sondern als gelebten Wettbewerb – auch wenn Kubicki kurzzeitig irritiert gewesen sei. "Aber er kommt damit klar, der ist nicht aus Zucker", so Strack-Zimmermann. Im Nachhinein sei sie fest davon überzeugt, dass beide weiter produktiv zusammenarbeiten könnten. "Das will ich ehrlich gesagt auch." Ihre Kandidatur sieht sie als Beweis für innerparteiliche Demokratie: "Diesmal konnten wir wirklich wählen. Viele haben genau das gebraucht."
Strack-Zimmermann hat ihre Kandidatur gegen FDP-Urgestein Kubicki laut eigenen Aussagen erst zwei Tage vor der Abstimmung beschlossen, nachdem ihr favorisierter Kandidat sich zurückgezogen hatte und sie Unzufriedenheit in der Partei registrierte. Sie empfand es als wichtig, den Delegierten eine echte Wahl zu bieten und sieht die Aktion als Zeichen demokratischer Parteienkultur. Die überraschende Vertraulichkeit der Vorbereitung ermöglichte laut Strack-Zimmermann einen offenen Wettbewerb.
Laut aktuellen Berichten aus den letzten 48 Stunden steht die FDP nach ihrem Parteitag weiterhin unter Druck, denn innerparteiliche Spannungen, Debatten über den Kurs der Führung und die Frage nach der Zukunft Kubickis prägen die öffentliche Wahrnehmung. Laut "Süddeutsche Zeitung" sorgte der Parteitag für kontroverse Debatten über programmatische Ausrichtung und Führungsstil, während "Spiegel Online" berichtet, dass insbesondere die jüngere Parteigeneration eine Erneuerung fordert. Auf "Zeit Online" wurde außerdem analysiert, dass die Kampfkandidatur für frischen Wind, aber auch Unsicherheiten innerhalb der FDP sorgt.