Aromenverbot bei E-Zigaretten: Warum es in Deutschland kaum klappen kann

Während in Berlin eifrig darüber beraten wird, ob E-Zigaretten mit Geschmack verboten werden sollen, zeigen die Erfahrungen der Niederlande erstaunlich klar: Das gut gemeinte Vorhaben könnte mehr Probleme schaffen als lösen.

heute 10:05 Uhr | 2 mal gelesen

Ein frischer Blick auf aktuelle Zahlen aus den Niederlanden lässt Zweifel am Sinn eines Aromenverbots bei E-Zigaretten aufkommen. Nachdem dort Anfang 2024 ein Verbot beschlossen wurde, kam es zu eher unerwarteten Ergebnissen: Die Zahl der Jugendlichen, die dampfen, stieg von 3,7 auf 7,6 Prozent – fast eine Verdopplung! Auch der Konsum von klassischen Zigaretten legte zu. Von den ehemaligen Dampfern griffen laut einer Umfrage 27 Prozent wieder verstärkt oder erneut zur Zigarette. Das Verbot scheint auch im Handel wenig Wirkung zu zeigen; etwa 42 Prozent der kontrollierten Läden verkauften weiterhin verstärkt aromatisierte Liquids und acht von zehn Konsumenten berichteten, an die Produkte noch problemlos zu gelangen. Ein Bericht für das niederländische Gesundheitsressort kommt zu dem ernüchternden Schluss: 87 Prozent nutzen illegale Dampferprodukte oder kaufen sie auf dunklen Kanälen. Letztlich bedeutet dieses Experiment also: Mehr Schwarzmarkt, weniger Jugendschutz.

Die Misere ist nicht exklusiv niederländisch. Auch in Estland, wo das Verbot seit 2020 gilt, hat sich die erwartete Wirkung ins Gegenteil verkehrt: Die Raucherquote ist fast um 39 Prozent hochgeschnellt und inzwischen gelten mehr als die Hälfte der konsumierten E-Zigaretten als illegal. Litauen wiederholt das Szenario. Wo das Muster auftaucht – sei es in den Niederlanden, Estland, Litauen oder Slowenien – erleben wir stets: Ein Aromenverbot verringert weder Tabak- noch Nikotinkonsum, sondern verlagert ihn, manchmal sogar verstärkt, auf den Schwarzmarkt und zurück zur Zigarette.

Überraschenderweise gehören Geschmackssorten laut wissenschaftlichen Untersuchungen zu den wichtigsten Gründen dafür, warum viele es schaffen, vom Rauchen loszukommen: Nutzer aromatischer E-Zigaretten haben einer Studie zufolge eine 230 Prozent höhere Erfolgsquote. Michael Landl von der World Vapers’ Alliance bringt es provokant auf den Punkt: „Die eigentliche Frage lautet nicht, ob das Verbot scheitern wird, sondern wie viele Menschen in Deutschland infolge dessen den Preis zahlen.“ Das Wissen über negative Effekte von Verboten ist vorhanden – trotzdem scheint die Politik eher nach Symbolen zu greifen als nach Lösungen.

Nach den enttäuschenden Ergebnissen des niederländischen Aromenverbots für E-Zigaretten ist die internationale Debatte neu entbrannt. Die Erfahrungen aus mehreren europäischen Ländern zeigen übereinstimmend: Statt Jugend- und Gesundheitsschutz zu verbessern, steigen Schwarzmarkt und Raucherquote. Gerade aus Expertensicht ist klar, dass aromatisierte E-Liquids vielen Menschen helfen, dauerhaft vom Rauchen wegzukommen – ein Aspekt, den die Politik in Deutschland offenbar bislang nicht ausreichend würdigt. Erweitert um neue Entwicklungen: In ganz Europa findet derzeit eine breite Diskussion über E-Zigaretten-Verbote statt, auch in Deutschland gibt es dazu vermehrt parlamentarische Anfragen und öffentliche Proteste. Die EU erwägt eine strengere Regulierung, stößt aber auf Widerstand von Fachgesellschaften und Nutzern. Nicht nur das Suchtverhalten Jugendlicher steht im Fokus, sondern auch die Auswirkungen auf den legalen Markt, die Steuereinnahmen und die Systembelastung durch das Gesundheitssystem, sollten mehr Menschen wieder zur Tabakzigarette greifen.

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