Kreuzfahrten spielen heutzutage in der Touristikbranche eine größere Rolle als je zuvor – zumindest wenn man Felix Eichhorn, dem Vorstandsvorsitzenden von Aida, glaubt. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betont er, dass 2026 sogar noch mehr Potenzial bereithalte als das kommende Jahr. Während klassische Reiseveranstalter zwar beim Umsatz über Vorkrisen-Niveau liegen, hinken die Passagierzahlen weiterhin hinterher. Ganz anders die Kreuzfahrten: Laut Eichhorn wurden 30 Prozent mehr Passagiere gegenüber 2019 gezählt – ein sprunghafter Zuwachs. Ein Problem? Eher weniger, meint er schmunzelnd: 'Die Herausforderung ist mittlerweile, dass für viele Abfahrten einfach keine freien Kabinen mehr erhältlich sind.' Bemerkenswert: Die Nachfrage übersteigt laut Eichhorn das heutige Angebot locker. Drei Millionen Deutsche haben schon eine Kreuzfahrt gemacht – es könnten gut und gerne mehr als vier Millionen werden, wenn es nur mehr Schiffe gäbe. "Nicht die Lust aufs Schiff, sondern mangelnde Kapazitäten bremsen uns", so sein nüchternes Fazit. Zum Thema Zusatzkosten bleibt Eichhorn klar – trotz der schwankenden Preise und keiner Absicherung durch Hedging: Für bestehende Reisen gibt es keine nachträglichen Treibstoffzuschläge. Er erläutert, dass der Anteil der Treibstoffkosten bei Aida erheblich weniger wiegt als etwa beim Fliegen, was man als kleinen Seitenhieb gegen Airlines verstehen könnte.
Aida sieht die Kreuzfahrtbranche weiterhin im Aufwind, trotz geopolitischer Risiken wie den Konflikten im Nahen Osten. Entscheidend für weiteres Wachstum ist nicht die Bereitschaft der Kunden, sondern vor allem die Anzahl der verfügbaren Schiffe – die Nachfrage ist schon heute größer als das Angebot. Neue Entwicklungen (Stand Juni 2024): Die Branche investiert massiv in neue, nachhaltigere Schiffe, um sowohl den Ansturm potenzieller Passagiere als auch Umweltauflagen zu meistern. Gleichzeitig meldet Aida, dass trotz gestiegener Energiekosten keine Treibstoffzuschläge für Passagiere nachberechnet werden – ein Signal in Richtung Kundenbindung. Kritisch beobachten Experten jedoch, ob die Infrastruktur (z.B. Häfen und Umweltschutzauflagen) mit dem erwarteten Boom Schritt halten kann – manche warnen vor touristischer Überlastung einzelner Destinationen. Insgesamt ist die Stimmung aber zuversichtlich, und andere Reedereien in Deutschland berichten Ähnliches.