VW-Fabriken in Deutschland billiger als gedacht – Vergleich mit Porsche sorgt für Diskussion

Die Debatte rund um die Sparmaßnahmen bei Volkswagen bekommt zusätzlich Zündstoff – denn manche Werke gelten als weniger kostenintensiv, als von der Konzernspitze behauptet.

heute 11:51 Uhr | 4 mal gelesen

Kürzlich kursierten in Aufsichtsratspräsentationen und unter den Top-Managern von VW Charts, auf denen vier deutsche Werke des Konzerns – Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm – als zu kostspielig dargestellt wurden. Das hat zunächst ordentlich für Stirnrunzeln gesorgt. Steckt tatsächlich ein Problem hinter den Zahlen? Laut "Spiegel" sind die Kosten einiger genannter Standorte pro Auto sogar niedriger als bei der Tochter Porsche. Zwickau beispielsweise lag 2025 mit den Fabrikkosten in der Nähe von 4.500 Euro, Emden etwa 1.000 Euro höher. Porsche in Leipzig dagegen reiht sich mit über 6.500 Euro ein, Neckarsulm mit rund 6.200 Euro. Wahnsinn: Das Zuffenhausener Werk von Porsche für 911 und Taycan sprengt mit über 13.000 Euro jede Statistik. Insider mutmaßen, dass der VW-Vorstand mit solchen Zahlen vor allem Druck auf die Belegschaft erzeugen will. Der eigentliche Knackpunkt ist nämlich weniger der Kostenfaktor, mehr die mangelnde Auslastung, das sogenannte „Nachbelegungsproblem“. Laut Insidern gibt es Szenarien, in denen an diesen Standorten spätestens in den 2030ern keine Autos mehr gebaut werden. Aktuell schützen Sozialpläne die Beschäftigten vor betriebsbedingten Kündigungen – 2030 bei VW, 2033 bei Audi. Doch danach könnte eine schleichende Verlagerung von Produktion ins Ausland erfolgen. Obwohl Blume betont, Schließungen wären der "ungünstigste Weg" Überkapazitäten abzubauen, prüft VW eine Reduzierung der europaweiten Produktionsleistung um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr – etwa zwei Fabriken stehen damit rechnerisch zur Disposition. Alternativ denkt man über Kooperationen mit der Rüstungsbranche oder mit chinesischen Autobauern nach. Bemerkenswert bleibt auch: Luxusmarke Porsche ist weitgehend außen vor – trotzdem kostet ein 911-Modell oder ein Taycan allein schon wegen hoher Individualisierungsgrade und exklusiven Preisen erheblich mehr in der Fertigung. Und kurioserweise bauen Audi und Porsche, trotz gemeinsamer Technik-Basis, in Deutschland nicht zusammen. Auch stets diskutierte Sparmaßnahmen wie gestrichene Pausen sind in den Premiumwerken noch nicht umgesetzt.

Die Diskussion um die Kostenstrukturen in deutschen VW-Werken ist ein Symptom für tiefer liegende Unsicherheiten im Konzern: Während öffentlich über „zu teure“ Standorte geredet wird, verdecken solche Aussagen offenbar das eigentliche Problem – manche Fabriken laufen nicht voll. Das Rätsel bleibt, warum insbesondere Porsche mit deutlich höheren Fertigungskosten unkritisch bleibt, während in klassischen VW-Werken der Rotstift droht. Inzwischen beschäftigt sich auch die Politik mit dem Thema, denn laut Recherchen mehrerer Medien wächst der Druck auf Volkswagen, einen sozialverträglichen und nachhaltigen Umbau seiner deutschen Standorte zu sichern – und gleichzeitig die Transformation zur Elektromobilität nicht aus dem Blick zu verlieren. Zudem wird die Debatte durch die aktuell stagnierende Nachfrage nach Elektroautos in Europa verschärft, was die Auslastung der Werke zusätzlich erschwert. In Interviews zeigen sich Betriebsräte zunehmend kampfbereit und werfen dem Konzern vor, mit Arbeitsplatzverlusten zu drohen, um Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitszeiten zu erzwingen. Interessanterweise berichten verschiedene Nachrichtenportale darüber, dass VW-Manager bereits erste Gespräche mit alternativen Partnern im Industriebereich führen – was die Unsicherheit beim Stammpersonal weiter anheizt.

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