Bündnis ProTransplant zur Widerspruchslösung: Plädoyer für mehr Organspenden

Berlin – Die Initiative ProTransplant befürwortet den überparteilichen Gesetzentwurf zur Einführung der Widerspruchsregelung in der Organspende. Der Koalitionsvertrag zielt explizit auf eine deutliche Steigerung der Spenden ab, denn für Betroffene ist das eine Sache auf Leben und Tod. Die Widerspruchsregelung gilt als Schlüssel zu einer Kultur der Organspende – und soll helfen, jedes Jahr rund 1.000 unnötige Todesfälle und langjährige Wartezeiten auf ein Spenderorgan endlich zu beenden.

heute 12:52 Uhr | 4 mal gelesen

Die Widerspruchsregelung – diese kleine Änderung im Gesetzestext könnte für zigtausende Menschen in Deutschland auf einmal alles ändern. Offen gesagt: Die meisten erwarten nicht, jemals selbst auf ein Organ angewiesen zu sein, bis es irgendwann doch passiert. Dass die Neuerung die Selbstbestimmung des Einzelnen stärkt, ist ein Pluspunkt, meint Zazie Knepper vom Bündnis ProTransplant. Aber auch praktisch – die Angehörigen werden entlastet; häufig sind sie nach plötzlichen Todesfällen völlig überfordert mit der Entscheidung zur Organspende. Der Gesetzesentwurf wurde mit Blick auf internationale Erfahrungen und viele Bedenken angepasst: Besonders vulnerable Gruppen finden nun mehr Berücksichtigung, betont Knepper. Statt Fällen von Missbrauch – wie manche befürchteten – sieht man in Nachbarstaaten, dass durch diese Regel mehr Organe transplantiert und mehr Leben gerettet werden. Mit anderen Worten: Keine negativen Erfahrungen, aber deutlich mehr Hilfestellung bei der Organspende. "Man kann Verstorbene nicht zurückholen – aber vielleicht andere vor dem Tod bewahren", hebt Franziska Bleis (transplantiert e.V.) hervor. Dass einige Bundestagsabgeordnete inzwischen ihre Meinung zugunsten der Widerspruchslösung geändert haben, verdient Respekt. Eine breite Mehrheit in der Bevölkerung ist ohnehin offen für Organspenden – und im Ernstfall würde wohl kaum jemand ein Spenderorgan ablehnen. Niemand soll gezwungen werden, Organe zu spenden, so bleibt das Selbstbestimmungsrecht gewahrt. Wer sich dagegen entscheidet, muss keine Gründe angeben. Warum ist diese Reform nötig? Politische Vorhaben – mehr Transparenz, bessere Honorare, Aufklärung, Online-Register – haben seit 2019 kaum spürbaren Effekt gebracht. Die Kommunen wollten die Registrierung an den Ausweisstellen nicht einführen, und die Bundesregierung räumte zuletzt selbst ein, dass die Organspendezahlen stagnieren: "Eine Trendwende ist nicht eingetreten." Der entscheidende Stellhebel fehlte schlichtweg: Die Widerspruchsregelung! Deutschland hinkt im Eurotransplant-Verbund hinterher, dabei werden medizinische Möglichkeiten gar nicht ausgeschöpft. 30 Jahre Debatte – langsam reicht's, so die Initiatoren. Es gibt längst keine bahnbrechenden neuen Argumente mehr. Wer weiter aufschiebt, verhindert konkrete Lösungen und lässt Bedürftige im Stich. Allerdings: Ein Gesetz allein baut kein stabiles Fundament. In den Kliniken bleibt oft unentdeckt, dass eine Organspende möglich wäre; die Strukturen sind verbesserungsbedürftig. Ein regelmäßiger Verweis auf das spanische Modell zeigt: Wenn Transplantationsbeauftragte Teil einer zentralen Behörde sind, statt Angestellte einzelner Krankenhäuser, läuft es runder. Das Bündnis ProTransplant vereint rund 30 Organisationen, die sich für Patient*innen und Angehörige einsetzen. Sie pochen darauf, dass Deutschland endlich von erfolgreichen Nachbarn lernt und keine Ausreden mehr gelten lässt.

Der neue Gesetzentwurf zur Widerspruchsregelung ist das Ergebnis jahrelanger Debatten – und könnte nach Einschätzung der Initiative ProTransplant endlich Bewegung in die stagnierende Organspende-Landschaft Deutschlands bringen. Trotz etlicher Reformversuche sind die Spenderzahlen seit Jahren kaum gestiegen, europaweit nimmt Deutschland einen traurigen Spitzenplatz bei der Wartezeit ein. ProTransplant fordert: Die Zeit der politischen Verzögerungen muss vorbei sein – und auch die Kliniken sollten organisatorisch und rechtlich besser aufgestellt werden, etwa durch unabhängige Transplantationsbeauftragte. Aktuelle Berichterstattung zeigt außerdem ein wachsendes öffentliches Interesse am Thema. So meldet "Spiegel Online" eine intensive Diskussion im Bundestag, bei der auch ethische Fragen wie der Schutz vor Diskriminierung und die Information der Bevölkerung zum Tragen kommen. Die "Süddeutsche Zeitung" zeigt auf, dass Frankreich und Spanien durch ihre Widerspruchsregelungen signifikant mehr Organspenden erreichen und Deutschland nicht länger "deutscher Sonderweg" bleiben solle. Weiterhin mahnt "FAZ.net", dass es um mehr als eine Zahl geht: Organspende sei ein Test für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität.

Schlagwort aus diesem Artikel