Wie oft gab es diese Szene schon: Die Bayern jubeln, während der Rest der Liga sich fragt, wer sie eigentlich noch aufhalten soll. Stuttgart gelang es, nach 21 Minuten durch Chris Führich einen Stich zu setzen – ein kurzes Aufflackern, das dank Jamal Musialas energetischem Einsatz und einer butterweichen Flanke auf Guerreiro schnell erstickte (31.). Kaum hatte man sich versehen, bestrafte Nicolas Jackson einen haarsträubenden Fehlpass der Stuttgarter, kochte die Nerven aller VfB-Fans auf Sparflamme und netzte zum 2:1 ein (33.). Und als dann auch noch Davies' Schuss unglücklich abgefälscht im Tor landete (37.), schien alles entschieden. Oder?
Irgendwie irritierend: Die zweite Halbzeit plätscherte überraschend emotionsarm vor sich hin. Kane witterte früh seine Chance und staubte nach grobem Durcheinander in der Abwehr eiskalt ab (52.). Auch wenn Chema Andres in der 88. Minute noch ein wenig Ergebniskosmetik betrieb, blieb’s beim verdienten 4:2. Wer dem FC Bayern vorwirft, den Spannungsbogen zu ignorieren, hatte an diesem Abend wohl recht. Die Tabellenführung? Unerreichbar für den Rest. Für Stuttgart bleiben noch Zittern und Mathe: Kann Hoffenheim sie noch einholen?
Bayern bezwingt Stuttgart mit 4:2 und sichert sich so bereits vorzeitig die deutsche Meisterschaft – ein gewohntes Gefühl für den Rekordmeister, der mit traumwandlerischer Sicherheit überzeugt. Stuttgart startete zwar mutig, wurde aber von Bayerns Effektivität schnell ausgebremst. Auffällig war das Offensivspektakel der ersten Hälfte und die kontrollierte Abwehrarbeit der Münchner nach der Pause.
Im weiteren Verlauf der bundesweiten Fußballberichterstattung schlugen ähnliche Töne an: Viele loben Kanes unaufgeregte Zielstrebigkeit und die Fähigkeit der Bayern, auch nach Gegentreffern schnell zurückzuschlagen. Medienberichte hoben hervor, dass Stuttgart zwar durchaus mutig begann, jedoch in der zweiten Halbzeit kaum Mittel gegen die abgeklärte Bayern-Abwehr fand. Mancherorts wird schon wieder diskutiert, wie die Liga dem Dauer-Favoriten endlich Paroli bieten könnte. Abseits des Rasens sorgen Diskussionen um finanzielle Ungleichgewichte und fehlende Spannung in der Bundesliga weiterhin für Gesprächsstoff.