Angesichts mutmaßlicher Pläne im Bundesverteidigungsministerium zieht Markus Söder die Reißleine: In einem Brief an Boris Pistorius, über den die „Bild“ am Freitag berichtete, spricht der CSU-Politiker von „Verstörung“ und ernsthaften Bedenken. Die angedachten Veränderungen – darunter deutlich weniger Dienstposten und strukturelle Umbaumaßnahmen – könnten seiner Sorge nach die schlagkräftige Verbindung zwischen Bundeswehr und Ländern aufs Spiel setzen. Besonders pikant: Gerade in Zeiten, in denen Schlagworte wie Resilienz und Krisenmanagement in aller Munde sind, warnt Söder davor, die Schnittstelle zur Bundeswehr zu beschneiden.
Er stellt klar: Bayern trägt die geplante Neuaufstellung der Bundeswehr grundsätzlich mit, vor allem mit Blick auf Landes- und Bündnisverteidigung. Aber wenn Flut oder andere Katastrophen zuschlagen, dann brauche es mehr denn je eine handlungsfähige, präsente Kommandostruktur. "Eine unscheinbare Verschlankung wäre ein Rückschlag – für die Sicherheit im Land und die Glaubwürdigkeit der Bundeswehr insgesamt", findet Söder.
Spannend ist sein Vorschlag, die Heimatschutzkräfte wieder direkt den Landeskommandos zuzuordnen, damit sie – wie früher – eng mit zivilen Strukturen verzahnt reagieren können. Als warnendes Beispiel führt er das Hochwasser von 2024 in Süddeutschland an: Ohne starke Führung hätte die schnelle Hilfe wohl nur halb so gut funktioniert. Am Ende fordert Söder Pistorius recht entschieden auf, die Organisationsänderungen zu stoppen. Eine offizielle Erwiderung des Ministeriums gab es zunächst nicht.
Markus Söder lehnt die vom Verteidigungsministerium geplanten Kürzungen bei den Landeskommandos der Bundeswehr strikt ab und sieht darin eine Gefahr für die gesamtstaatliche Widerstandsfähigkeit. Besonders in Notlagen wie Naturkatastrophen sei aus seiner Sicht eine starke Koordination zwischen ziviler Verwaltung und Militär unabdingbar – eine Verschlechterung hätte weitreichende Folgen. Aktuell äußern diverse Sicherheitsexperten und führende Stimmen aus Bundesländern ähnlich gelagerte Warnungen: In Zeiten wachsender Bedrohungen durch Extremwetter, Krisen und geopolitische Instabilität wird die Bedeutung einer robusten regionalen Militärstruktur erneut hervorgehoben. Auch in weiteren aktuellen Diskussionen um die Bundeswehr steht die Frage nach Spagat zwischen Modernisierung, Bündnisverpflichtungen und innerer Sicherheit im Raum − Pistorius‘ Entscheidung könnte deshalb auch politisch größeres Gewicht erlangen.