Sonja Sagmeister setzt auf offenen 'Weißfunk' – Ihr Plan für einen neuen ORF

In Wien präsentierte Sonja Sagmeister – unterstützt von einem europaaffinen Team – am Mittwoch ihre Vision für die künftige Führung des ORF. Als offizielle Kandidatin braucht sie allerdings noch das Votum eines Stiftungsrats, um der nächsten Auswahlrunde beizuwohnen.

heute 15:19 Uhr | 1 mal gelesen

Sonja Sagmeister hat bei ihrer Vorstellung betont, dass sie als neue ORF-Generaldirektorin frischen Wind und Unabhängigkeit in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bringen will. Ihr 'Weißfunk'-Konzept: mehr Transparenz, weniger interne Privilegien, ein Ausbau der Landesstudios, gestärkter Investigativjournalismus – und endlich wieder ein echtes Vertrauensverhältnis zum Publikum. "Die letzten Jahre, geprägt von fragwürdigen Personalentscheidungen, überbordenden Gehältern im Management und nervigen Skandalen, haben das Ansehen des Senders ordentlich ramponiert", meint sie offen. Sie setzt sich dafür ein, wieder echte Motivation und Teamgeist in die ORF-Belegschaft zu bringen, plädiert für eine ehrliche Entschuldigung und die konkrete Einbindung kritischer Stimmen. Im Gegensatz zu anderen Bewerbern macht Sagmeister auch vor Privilegien keinen Halt: Dienstwagen und Chauffeure? Will sie nicht mehr. Das Sparprogramm soll aber erst dann greifen, wenn belastbares Zahlenmaterial vom Rechnungshof vorliegt – vorherige Sparversprechen hält sie schlicht für unseriös. Rückhalt bekommt sie aus vielen Ecken der Zivilgesellschaft, etwa von Konsumexperten, Europa-Politikern oder Medienmenschen wie Fred Turnheim. Gerade der erfahrene Diplomat Wolfgang Petritsch betont, dass Sagmeister die europaweiten Kriterien erfüllt. Zu ihren konkreten Vorschlägen zählen: Keine Hofberichterstattung, live übertragene Rätekonvente, Kündigungsschutz für Investigativ-Journalist:innen, mehr Demokratie in den Redaktionen – und Chancengleichheit für Frauen. Wer Sagmeister unterstützen will: Eine Mail an den Stiftungsrat reicht schon.

Sonja Sagmeister hebt sich als Kandidatin für das ORF-Generaldirektorat durch klare Forderungen nach Transparenz, Unabhängigkeit und glaubwürdiger Führung ab. Im Zentrum steht ihr Vorhaben, sowohl externe Skandale als auch interne Privilegien kritisch zu hinterfragen und abzuschaffen – mit dem Ziel, das Vertrauen des Publikums zurückzugewinnen. Neuere Entwicklungen rund um das ORF-Generaldirektorat zeigen, dass das Thema Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich weiterhin politisch und gesellschaftlich umkämpft ist. In den letzten Tagen wurde etwa in der "Süddeutschen Zeitung" erneut die wachsende Polarisierung rund um öffentlich-rechtliche Medien in mehreren europäischen Ländern angesprochen und wie unabhängige Kandidatinnen wie Sagmeister ein Gegengewicht zur politischen Vereinnahmung bieten können. In der "FAZ" wurde ausführlich diskutiert, wie dringend notwendige Reformen im ORF aus dem Inneren heraus angestoßen werden sollen und welche Fallstricke es auf dem Weg zu einem transparenteren System gibt. Laut einer aktuellen Analyse in der "Zeit" wachsen sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Spannungen zwischen Politik, Öffentlichkeit und Sendeanstalten, wobei gerade die Forderung nach publikumsoffenen Bürgerbeteiligungen im Wahlverfahren neue Chancen, aber auch Herausforderungen birgt.

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