Bouffier: Merz scheitert an eigenen Versprechen

Volker Bouffier, früherer Ministerpräsident Hessens, wirft CDU-Chef Friedrich Merz vor, mit überzogenen Erwartungen eine Sackgasse für die Partei eröffnet zu haben. Seine öffentliche Ankündigungsstrategie sei ins Leere gelaufen, so Bouffier in einem FAZ-Interview.

heute 13:25 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal ist weniger eben doch mehr – das hätte Friedrich Merz vielleicht beherzigen sollen. Volker Bouffier, selbst ein CDU-Veteran, sagt es recht unverblümt: Merz stolpert, weil er allen beweisen wollte, mit dem alten Kurs brechen zu können. Seine vollmundigen Ankündigungen führten bloß dazu, dass einige Stammwähler in Enttäuschung verfielen, während andere, die das alte Koalitions-Geflecht schätzten, einfach abtauchten. Die Partei brodelte ohnehin nach all den Jahren des Kompromisses unter Merkel. Doch der Plan, nach dem Motto „CDU pur“ einen klaren Schnitt zu machen, sei missverstanden worden – das klingt fast schon nach einer dieser Redewendungen, die jeden Versuch ins Leere laufen lassen. Parteiarbeit, jedenfalls laut Bouffier, bleibt ein ständiger Balanceakt: Wer nicht lernt, Kompromisse zu schließen, sollte besser die Oppositionsbank wärmen. Ein zu selbstbewusster Ruf nach großen Reformen schade letztlich nur, meint er weiter. Auch Dennis Radtke aus der CDU-Arbeitnehmerschaft stimmt zu: Die Partei sei nie rein konservativ gewesen, sondern stets ein Kompromiss aus unterschiedlichen Strömungen – genau das habe immer funktioniert. Die CDU, so der Gedanke, war nie ‚rein‘, sondern auch ein Sammelbecken für verschiedene Ansichten. Sturheit eignet sich einfach schlecht zum Regieren.

Der frühere Ministerpräsident Volker Bouffier spart nicht an scharfer Kritik an Friedrich Merz' Führungsstil. Die CDU habe sich mit einem überzeichneten Richtungswechsel nach Merkel selbst geschadet, was auch in aktuellen Umfragen sichtbar ist – der Versuch eines radikal veränderten Kurses erzielt demnach weniger Zustimmung als erhofft. Verschiedene Stimmen innerhalb der CDU betonen, dass Kompromissbereitschaft und breite programmatische Aufstellung zentrale Stärken der Partei bleiben müssen, um als regierungsfähig wahrgenommen zu werden. Aus aktuellen Berichten bei Zeit Online und Süddeutscher Zeitung geht hervor, dass die Unruhe innerhalb der Union weiter wächst und die Frage nach dem zukünftigen Kurs der CDU ein zentrales Thema ist. Besonders angespannt ist die Debatte rund um Koalitionsoptionen und den Umgang mit der WerteUnion, einem besonders konservativen Flügel. Wie die FAZ schreibt, fordern auch jüngere CDU-Mitglieder eine pragmatischere Herangehensweise, die an die vielfältigen gesellschaftlichen Realitäten in Deutschland anschlussfähig ist.

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