Was bewegt einen Menschen, fast sein gesamtes Vermögen für das Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen? Carl Richard Montag gibt darauf eine erstaunlich geerdete Antwort: Weil es richtig ist. Die Initiative zur Ehrung kam ungewöhnlich – und gerade deshalb so bezeichnend: Nicht aus Elitekreisen, sondern aus dem Bürgerrat Bildung und Lernen, einem bundesweiten Gremium, das Menschen aller Hintergründe zusammenbringt und neue Wege für Bildung in Deutschland anregt.
In seiner Dankesrede betonte Montag ausgerechnet, was häufig zu kurz kommt: das Verbindende in der Gesellschaft. Seine Enkel, wie der ZDF-Journalist Johannes Hano, beschreiben ihn als jemand, der die Schatten vergangener Zeiten nie verdrängt, sondern Verantwortung daraus abgeleitet hat – für sich, für andere, für künftige Generationen. Das klingt pathetisch? Es ist trotzdem wahr.
Geboren 1929 im Sauerland, früh ein Talent für die schönen Künste – die Kriegsjahre, wie so oft, rissen Pläne auseinander. Statt eines Künstlerlebens wurde Montag Firmeninhaber und – auf Umwegen, Jahre später – Bauherr für ambitionierte Projekte, die Arbeit und Leben zusammenbringen sollten. Doch irgendwann begann für ihn – und das ist gar nicht selbstverständlich – eine zweite Lebenshälfte als Stifter: Die Montag Stiftungen, operativ, unabhängig, und in sozialen Brennpunkten ebenso aktiv wie in der Bildungslandschaft. Der Bürgerrat Bildung und Lernen ist nur eines von vielen Beispielen, wie Montag praktische Teilhabe organisiert.
Der Leitsatz "Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung" ist so konservativ wie radikal. Die einzelnen Stiftungen setzen Impulse in Architektur (besonders Schulbau), Stadtentwicklung (manche kennen vielleicht den BOB CAMPUS in Wuppertal), Kunst, gesellschaftliche Beteiligung oder innovative Demokratietools. Alles getragen von einer Grundüberzeugung: Wer privilegiert ist, sollte teilen. Manchmal ist es so einfach – und trotzdem außergewöhnlich.
Älter geworden, aber kein bisschen leiser, macht sich Montag nach Rückzug aus dem Tagesgeschäft wieder verstärkt ans Malen. Das Bundesverdienstkreuz, jetzt an seiner Brust, steht symbolisch für viel mehr als einen individuellen Verdienst: für die Hoffnung, dass Gemeinsinn und soziale Fantasie in unserer Gesellschaft den entscheidenden Unterschied ausmachen können.
Carl Richard Montag, geboren 1929, steht mit seinem Lebenswerk für ein seltenes Zusammenspiel von künstlerischem Schaffen, unternehmerischer Weitsicht und gemeinnützigem Engagement: Er investierte sein Privatvermögen in den Aufbau mehrerer themenübergreifender, bundesweit tätiger Stiftungen. Ob innovative Schulbauprojekte, die Verbesserung von Bildungszugängen, Initiativen für benachteiligte Stadtteile oder niedrigschwellige Kunstangebote – all das trägt seine Handschrift. Der Bürgerrat Bildung und Lernen, ausgerechnet von Zufallsbürger:innen bestritten, hat Montag nun zur Bundesverdienstkreuz-Auszeichnung verholfen, was zeigt, wie sehr seine Aktivitäten gesellschaftlich verankert sind. Jüngste Presseberichterstattung hebt hervor, dass zivilgesellschaftliche Initiativen wie Montags Stiftungen gerade in krisenhaften Zeiten tragende Säulen für Gemeinwohl und demokratische Debatte sein können. Im europäischen Vergleich wird zudem mehr und mehr anerkannt, wie elementar bürgerschaftliches Engagement und Stiftungsarbeit für soziale Innovationen sind – nicht nur als Gegenpol zu Staats- oder Konzernlenkung. Während andere Ehrenträger im Rampenlicht stehen, setzt Montag ein stilles Beispiel: Wer gibt, gestaltet – und wo Gemeinsinn gelebt wird, bleibt die Hoffnung auf gesellschaftlichen Fortschritt keine leere Floskel.