Preisträger und bewegende Momente: Deutscher Hörbuchpreis 2026 vergeben

Köln, 10. März 2026 – Die neuen Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises wurden gekürt. In einer abwechslungsreichen Livesendung präsentierte WDR 5 die diesjährigen Auszeichnungen – sieben Kategorien, sieben sehr verschiedene, aber allesamt beeindruckende Produktionen. Die Auswahl war groß: Aus knapp 300 Einreichungen filterte die Jury in langwierigen Sitzungen die Besten heraus.

10.03.26 23:22 Uhr | 2 mal gelesen

Jedes Jahr aufs Neue versammelt der Deutsche Hörbuchpreis eine Mischung aus großen Namen, neuen Stimmen und experimentierfreudigen Audio-Machern. 'Beste Interpretin' wurde diesmal Anja Herden, deren lebendige Lesung von Oyinkan Braithwaites 'Der Fluch der Falodun Frauen' die Jury mit Energie, stimmlichen Nuancen und einer ganz eigenen Rhythmik überzeugte. Für Herden ist es ein doppeltes Kompliment: Sie navigiert schlau zwischen modernem Flow und empathischer Erzählfreude. Auch Schauspieler Fabian Busch darf sich freuen – für seine feinfühlige Interpretation von Alex Schulmans 'Vergiss mich' erhält er die Auszeichnung als 'Bester Interpret'. Busch schleicht sich mit seiner Stimme tief in die Seelenlandschaft der Hauptfigur und lässt Schmerz und Irritationen förmlich hörbar werden. Das beste Hörspiel zeichnete sich diesmal durch bissige Gesellschaftskritik aus: 'Die Erschöpften' (von Oliver Sturm, mit NDR und Deutschlandfunk) steht für wendungsreiche Handlung, feinsinnige Musik und einen Sound, bei dem das Augenzwinkern fast mitzuhören ist. Bei 'Beste Unterhaltung' setzte sich ein ganzes Ensemble durch: Romy Hausmanns 'Himmelerdenblau' verbindet Krimi mit Familiendrama; die schlauen Wechsel der Erzählperspektiven und das spielfreudige Zusammenspiel heben das Hörbuch aus der Masse. Fürs 'Beste Kinderhörbuch' waren dieses Jahr Schülerinnen aus Köln die Jurorinnen – sie verliehen Liz Kesslers 'Geheimname Eisvogel' (gesprochen unter anderem von Benito Bause und Natalia Belitski) den Preis. Besonders hervorgehoben wurde das gelungene Zusammenspiel von Tempo, Stimmen und Kopfkino-Qualitäten. In der Kategorie 'Bester Podcast' wurde das Rechercheprojekt von Khesrau Behroz und Sören Musyal ('Legion: House of Scam') ausgezeichnet. Die investigative Podcast-Staffel packt das Thema digitale Betrugsstrukturen an und bleibt dabei sachlich, ohne an Dringlichkeit zu verlieren. Beim 'Besonderen Hörbuch' überzeugte 'Unser Schmerz ist unsere Kraft' (Argon), das NSU-Opfern ihre Würde und Präsenz zurückgibt. Ein starkes Plädoyer für Erinnerungskultur – und ein Hörerlebnis, das Spuren hinterlässt. Abgesehen vom Spezialpreis sind alle Kategorien mit 3.333 € honoriert. Die feierliche Preisverleihung markierte zugleich den Auftakt der Lit.COLOGNE (7.–22. März 2026). Wer reinhören will, findet die Aufzeichnung in der ARD-Audiothek. Moderiert wurde das Ganze von Ralph Erdenberger, begleitet von der Redaktion Tobias Habig und Mireilla Zirpins. Nähere Infos gibt es auf www.deutscher-hoerbuchpreis.de – für Medienanfragen stehen Henrike Wenschkewitz und Jana Ruß bereit.

Der Deutsche Hörbuchpreis 2026 zeigte erneut, wie breit und relevant die Audio-Landschaft in Deutschland ist, von persönlichen Inszenierungen (wie durch Anja Herden oder Fabian Busch) bis zu gesellschaftlich brisanten Themen wie rechter Gewalt ('Unser Schmerz ist unsere Kraft') oder Internetkriminalität ('Legion: House of Scam'). Die Nachwuchsförderung wurde sichtbar durch die Kinderjury, die aktiv am Bewertungsprozess beteiligt war – ein Ansatz, der die Vielfalt der Perspektiven deutlich erweitert. Unter den Nominierten bewiesen vor allem Produktionen mit multimedialem Ansatz und engagierten Sprechern, wie sehr sich das klassische Hörbuch vom reinen Vorlesen zum umfassenden audio-dramatischen Erlebnis entwickelt hat. Neueste Berichte zeigen außerdem, dass die Nachfrage nach hochwertigen Hörbuchproduktionen in Deutschland stetig wächst, und die Streaming-Plattformen verstärken diesen Trend. (Quellen: SZ, FAZ, t3n) Gleichzeitig nehmen politische und gesellschaftliche Themen im Audio-Bereich immer mehr Raum ein; Podcasts mit investigativem Charakter und literarische Aufarbeitungen finden sowohl beim Publikum als auch bei Kritiker:innen großen Zuspruch – und verschärfen zuweilen die Diskussion darüber, wem wie und in welcher Form Sprechraum gegeben werden sollte.

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