Manchmal frage ich mich ja, wann wir aufgehört haben, zu entscheiden, was uns beschäftigt – und wann die Algorithmen der Plattformen das heimlich übernommen haben. Früher hatten Journalistinnen und Journalisten noch das letzte Wort, heute mischen Influencer, anonyme Nutzer und vor allem die Interessen von Konzernen das Nachrichtenmenü des Alltags. In ihrem ausgezeichneten Artikel spüren Pascal Schneiders und Birgit Stark genau diesem Wandel nach. Sie untersuchen, wie soziale Medien die Kontrolle über Information übernehmen – und was das für die Gesellschaft bedeutet. Das klingt erstmal abstrakt, hat aber sehr konkrete Folgen: Redaktionen müssen Trends aus den sozialen Netzwerken bedienen, wollen sie überhaupt noch ein Publikum erreichen. Dabei regiert oft nicht Qualität, sondern Lautstärke, Rasanz oder schlicht die Mechanik eines Homefeeds.
Was daran zu tun ist? Die beiden Forschenden präsentieren ein logisch aufgebautes, aber trotzdem angenehm lesbares Modell, das Produktion, Verbreitung und Aufnahme von Nachrichten als miteinander verknüpfte Ebenen versteht. Sie nähern sich dem Thema mit der Neugier von Forschern, aber auch mit der Dringlichkeit, die die ständige Präsenz von Halb- und Unwahrheiten mit sich bringt. Der Standpunkt ist klar: Wo Plattformen Gatekeeper werden, geraten journalistische Qualität und demokratische Teilhabe ins Wanken. Ihre Empfehlungen – von mehr Transparenz durch Algorithmen, gezielter Förderung redaktioneller Inhalte bis zu Initiativen für Medienkompetenz – sind nicht nur theoretisch sinnvoll, sondern auch politisch umsetzbar.
Die Jury hat dies ganz ähnlich gesehen. Sie lobt die Arbeit als herausragend relevant, weil sie einen Brennpunkt der Medienzukunft genau trifft: Die Fähigkeit, gesellschaftliche Öffentlichkeit und individuellen Informationsbedarf in digitalen Sphären zu sichern. Wer wie ich manchmal Zweifel hat, wie das in Zukunft funktionieren kann, findet in den Modellansätzen und Definitionen Ansätze zur Hoffnung.
Kai Gniffke vom SWR bringt es auf den Punkt: Gute Nachrichten brauchen erstklassige Recherche, Plattform-Sichtbarkeit und begreifbare Sprache – sonst verlieren sie ihre Wirkung. Und Karla Pollmann von der Uni Tübingen betont, dass Medienqualität mittlerweile die Grundlage unserer Demokratie prägt. Es reicht eben nicht, sich auf Technik allein zu verlassen, wenn es um öffentliche Informationen geht.
Kurz zu den Ausgezeichneten selbst: Pascal Schneiders forscht an der Uni Mainz zu digitalen Öffentlichkeiten und epistemischer Steuerung, Birgit Stark ist erfahrene Kommunikationswissenschaftlerin mit Schwerpunkt digitale Medienlandschaften. Die Hans Bausch Mediapreis-Stiftung fördert jährlich wissenschaftliche Leistungen, die Medieninnovationen erklären und anstoßen – der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und steht für unabhängige Forschung. Die Auswahljury besteht sowohl aus Praktikern wie auch Wissenschaftlern.
Wer Fragen hat – oder einfach nochmal nachhaken will – findet Kontaktmöglichkeiten bei SWR und Universität Tübingen. Ein Livestream ermöglicht es übrigens diesmal, auch aus der Ferne an der Preisverleihung teilzunehmen. Letzte Bemerkung: Was heute wie pure Wissenschaft klingt, ist morgen vielleicht unser Alltag – und dann ist es gut, wenn jemand die Mechanismen schon mal durchleuchtet hat.
Der frisch verliehene Hans Bausch Mediapreis würdigt das Engagement von Pascal Schneiders und Birgit Stark, die die Auswirkungen der sogenannten Plattformisierung auf journalistische Qualität umfassend analysieren. Ihr preisgekrönter Artikel liefert differenzierte Modelle und zeigt, wie Algorithmen, soziale Medien und wirtschaftliche Zwänge die Nachrichtenlandschaft umkrempeln – und gibt dazu konkrete Empfehlungen etwa für eine verstärkte Regulierung, bessere Algorithmen-Transparenz sowie Medienkompetenz-Initiativen. Das Thema ist hochaktuell und steht auch in aktuellen Mediendebatten im Fokus: Kürzlich warnte etwa die Süddeutsche Zeitung eindringlich vor der Gefahr, dass Desinformation über Social Media politische Prozesse verzerrt, und die Zeit hob die zunehmende Verantwortung der Plattformbetreiber sowie die Bedeutung von Medienbildung hervor. Nach aktuellen Online-Recherchen warnen mehrere Portale davor, dass Social-Media-Regulierung in Europa zu zäh vorangeht und starke Redaktionen künftig noch stärker von Tech-Giganten abhängig werden könnten (einschließlich Hinweise auf die Debatten um das Digitale Dienste Gesetz – DSA – und Medienbildungsinitiativen). Jüngst wurde beispielsweise im Spiegel die anhaltende Debatte um Desinformation und KI-generierte Inhalte aufgegriffen, was zeigt, wie relevant und brisant das Forschungsfeld ist.