Eigentlich hätte Temu mit dem Gesetz über digitale Dienste (DSA) genau klären sollen, wie riskant es wirklich ist, was sie alles so anbieten. Aber nein – die chinesische Online-Plattform wurde laut EU-Kommission eher dabei erwischt, die Risiken zu verallgemeinern und das Problem wegzureden.
Der Vorwurf aus Brüssel ist deutlich: Statt ernsthaft zu prüfen, welche illegalen oder unsicheren Produkte auf Temu verkauft werden, wurde sich auf pauschale Aussagen zurückgezogen, ohne den eigenen Dienst gründlich unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich zeigte ein gezielter Testkauf, dass von Ladegeräten bis hin zu Kinderspielzeug viele Produkte durchfielen – teils gravierende Sicherheitsmängel inklusive. Die EU beurteilt solche Versäumnisse besonders streng, weil diese Risikobewertungen das Herzstück des DSA sind.
Das Bußgeld wurde deshalb nicht nur an der Zahl der betroffenen Nutzer, sondern auch an Schwere und Dauer der Verstöße bemessen. Temu hat jetzt einiges zu tun: Bis spätestens 28. August 2026 müssen sie einen durchschlagenden Aktionsplan vorlegen, der exakt zeigt, wie sie das künftig besser handhaben. Sonst drohen weitere – wohl noch schmerzhaftere – Sanktionen. Vizepräsidentin der EU-Kommission Henna Virkkunen brachte es auf den Punkt: "Risikobewertungen sind nicht nur lästige Formsache, sondern zentrale Pflicht – da gibt's kein Drumherum mehr."
Die EU belegt Temu wegen verharmlosender Risikobewertung und fehlender Maßnahmen gegen gefährliche Produkte mit einem 200 Millionen Euro Bußgeld. Der Fall zeigt, dass Brüssel entschlossen ist, große Online-Plattformen zur Einhaltung des DSA zu zwingen und das Risiko für Verbraucher ernsthaft aufzuarbeiten – selbst etablierte Anbieter sind vor drakonischen Maßnahmen nicht gefeit. Aktuelle Berichte aus anderen Medien betonen, dass riskante Produkte auf Marktplätzen wie Temu längst ein strukturelles Problem darstellen; die Kommission plant, zukünftig noch engmaschigere Kontrollen bei internationalen Anbietern durchzuführen.