Estlands Außenminister: Risse im Machtkreis um Putin nehmen zu

Margus Tsahkna, Amtskollege aus Estland, beobachtet spürbare Auswirkungen der westlichen Politik – und glaubt, dass auch im umkämpften Russland Putins Macht bröckelt.

heute 12:23 Uhr | 1 mal gelesen

"Im Machtgefüge rund um Präsident Putin werden die Zweifler unter den Oligarchen zahlreicher", gab Tsahkna im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zu Protokoll. Die Dynamik an Putins Hof habe sich verändert, so der estnische Außenminister, und selbst ehemals überzeugte Sieg-Glaubende hätten heute längst Zweifel. "Unsere Strategie zeigt zum ersten Mal ihre volle Wucht", meint Tsahkna. Die westlichen Sanktionen hätten Russlands Wirtschaft empfindlich getroffen, während die Ukraine mit gezielten Angriffen Ölraffinerien und Infrastruktur auf russischer Seite ins Visier nehme. Plötzlich, so beschreibt es Tsahkna, sei der Krieg spürbar nahegerückt – der entfernt geglaubte Konflikt sei im Alltag vieler Russinnen und Russen angekommen. "Wenn Putin vernünftig wäre, könnte er jetzt wirklich Gespräche aufnehmen", zweifelt Tsahkna jedoch an der Rationalität des Kreml-Chefs. "Andererseits – in Russland kommt es nun mal vor, dass plötzlich jemand mit seiner Familie gemeinsam aus dem Fenster springt." Nicht nur eine Metapher, sondern ein bitterer Verweis auf die Unberechenbarkeit autoritärer Systeme.

Estlands Außenminister Margus Tsahkna skizziert in seinen jüngsten Aussagen eine wachsende Verunsicherung unter den russischen Oligarchen angesichts des Krieges in der Ukraine. Die ökonomischen Folgen der Sanktionen, aber auch die militärischen Rückschläge Russlands – etwa durch ukrainische Angriffe weit ins Landesinnere – hätten laut Tsahkna das Denken vieler im näheren Umfeld Putins verändert. Er sieht Anzeichen, dass der Krieg für viele Russen zur Realität geworden ist, statt nur Propagandathema zu bleiben, und hält sowohl echte Friedensverhandlungen als auch ein plötzlichen Kollaps der Kreml-Macht für denkbar. Neuere Entwicklungen zeigen, dass sich der wirtschaftliche Druck auf Russland weiter verschärft: Laut DW haben die jüngsten EU-Sanktionen unter anderem den Import wichtiger Technologie erschwert (Quelle: [DW]). Die Süddeutsche berichtet über zunehmende Debatten russischer Eliten, die laut Analyst*innen hinter verschlossenen Türen nach alternativen Exit-Strategien suchen (Quelle: [Süddeutsche Zeitung]). Und auf Spiegel.de wurde eine Analyse veröffentlicht, die den Wandel innerhalb der russischen Gesellschaft und die Rolle kritischer Oligarchen erneut beleuchtet (Quelle: [Spiegel Online]).

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