Evonik prüft Rückerstattung von US-Zöllen – Zwischen Abwarten und Chancen

Im anhaltenden Handelsstreit zwischen den USA und Europa denkt Evonik laut über eine mögliche Rückforderung von US-Zöllen nach. Interims-Finanzchef Claus Rettig gibt sich jedoch vorsichtig und verweist auf die noch ausstehende Linie der US-Regierung.

heute 16:52 Uhr | 4 mal gelesen

Kalt erwischt hat Evonik die US-Zollpolitik nicht gerade, dennoch bleibt die Lage verzwickt: 'Natürlich denken wir darüber nach, das könnten wir vielleicht noch angehen', verrät Interims-Finanzvorstand Claus Rettig im Gespräch mit dem 'Power and Policy'-Podcast von Politico. Konkret stehe ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag im Raum – eben jener, den Evonik unter Umständen zurückverlangen könnte. Allerdings ist da auch eine gewisse Skepsis zu spüren. Rettig meint, dass man zunächst abwarten wolle, welche Entscheidungen aus Washington noch folgen. Schließlich produziert das Unternehmen bereits einen beachtlichen Teil seiner Chemieprodukte direkt in den USA und entgeht damit vielen Nachteilen hoher Einfuhrzölle. Doch nicht alles ist Nachteil: Wenn Wettbewerber – etwa aus China – durch die Zölle geschwächt werden, kann das Evonik in den Vereinigten Staaten sogar nützen. Trotzdem, und das betont Rettig mit Nachdruck, halte der Chemieriese am Leitbild offener, fairer Märkte fest. Für Protektionismus kann und will er sich nicht erwärmen – selbst wenn daraus kurzfristig ein Wettbewerbsvorteil erwächst.

Evonik beobachtet aufmerksam die Entwicklungen beim Thema US-Zölle und zieht als eine von mehreren Optionen die Rückforderung gezahlter Summen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich in Betracht. Während diese Zölle den Konzern direkt kaum belasten, ergeben sich durch die Produktion in den USA durchaus auch Wettbewerbsvorteile – vor allem wenn chinesische Konkurrenz ausgeschlossen wird. Gleichwohl steht für Evonik die Förderung eines freien Welthandels vorne: Das Bekenntnis zu offenen Märkten bleibt trotz der aktuellen protektionistischen Tendenzen der US-Regierung zentral. Recherchiert man aktuell, verdichten sich die Berichte über eine bevorstehende US-Zollreform, die nicht nur Chemiekonzerne betrifft, sondern ganze Lieferketten in Europa und China beeinflusst. Anfang Juni 2024 wurde zudem über einen wachsenden Druck europäischer Unternehmen berichtet, auf gezahlte Zölle Rückforderungen zu stellen. Derweil setzen deutsche Industriekonzerne in den USA stärker auf eigene Standorte, um Zollrisiken zu umgehen und so von lokaler Wertschöpfung und weggefallenen Logistikkosten zu profitieren.

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