Wie viel Wahrheit steckt eigentlich in den oft lauten Verheißungen von totaler Sicherheit auf offener See? Clinton Hinote, ein US-General im Ruhestand, der in den Nullerjahren Strategien für den Umgang mit dem Iran entwarf, sieht die Sache extrem kritisch. "Mit Militär allein wird man die Probleme dort kaum lösen können", erklärt er nüchtern im Gespräch mit dem 'Spiegel'. Wenn es darum geht, die neuralgische Engstelle zwischen Oman und Iran, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öls schwappt, für Schifffahrt zu sichern, sei die US-Marine zwar einsatzbereit – aber weit entfernt von Allmacht. Er rechnet vor, dass US-Schiffe zwar viele Angriffe abwehren könnten, doch niemand könne ultimative Sicherheit versprechen. Ein beschädigter Supertanker, vielleicht durch eine Drohne getroffen, und alles stehe still – Versicherungen würden abwinken oder gar astronomische Prämien verlangen; Reedereien riskierten kaum das Leben ihrer Crews.
Noch drastischer bewertet er die Idee einer Bodenoffensive am iranischen Ufer: 'Hochriskant' sei das und würde eine riesige – kaum steuerbare – Operation bedeuten. Immerzu im Hinterkopf schwelende Fragen: Wie würde die Bevölkerung in Städten wie Bandar Abbas, Hunderttausende Einwohner stark, auf US-Soldaten reagieren? Womöglich feindseliger als erhofft. Während Präsident Trump offenbar mit Angriffen auf iranische Ölterminals droht, sieht Hinote darin wenig Überzeugungskraft für Teheran. "Am Ende bleibt vielleicht nur eins: überzeugen statt eskalieren. Aber ob das klappt? Ich bin skeptisch."
Die Einschätzungen Hinotes rücken die Schwachstellen militärischer Machtprojektion in der Straße von Hormus in den Fokus: Trotz technischer Überlegenheit erscheint der vollständige Schutz von Tankern gegen iranische Angriffe nahezu unmöglich. Die geopolitische Situation wird durch ständig steigende militärische Risiken und Unsicherheit der lokalen Bevölkerung zusätzlich belastet. Neuere Entwicklungen zeigen, dass die Spannungen im Persischen Golf weiter zunehmen, insbesondere angesichts wiederkehrender Drohgebärden und Manöver beider Seiten. Laut aktuellen Berichten hat sich die Lage in den letzten 48 Stunden kaum entspannt: Iranische Streitkräfte kündigten jüngst neue Militärmanöver an, während internationale Reedereien erneut Alarm schlagen. Diplomatische Bemühungen laufen an, bleiben aber zum großen Teil fruchtlos und werden derzeit häufig von kurzfristigen Drohgebärden überlagert.