Nun liegt ein riesiger Erwartungsrucksack auf Warshs Schultern; ob er daraus Kraft oder Unsicherheit zieht, muss er erst noch beweisen. Ein Bückling vor Washington, so Südekum, wäre fatal. "Gerade jetzt sucht niemand nach einer Fed, die nur Wünschen aus dem Weißen Haus gehorcht – das wäre Gift für die ohnehin irritierte Weltwirtschaft."
Außerdem ist die US-Notenbank tief gespalten: Zuletzt deuteten makroökonomische Analysen auf eine Inflationsrate nahe fünf Prozent innerhalb kurzer Zeit hin. Für echte Ökonomen müssten Zinssenkungen daher tabu sein – trotzdem fordern Trump-nahe Stimmen genau das mit Nachdruck. Klassisch denkende Vertreter und Powell persönlich blocken. Jedenfalls wird Warsh, nun offiziell seit Freitag in Amt und Würden, kaum Zeit zum Verschnaufen bleiben: Der Druck aus der Politik ist enorm, und jeder Zinsschritt oder -stopp sendet weltweit Schockwellen.
Kevin Warsh übernimmt die Leitung der amerikanischen Notenbank Fed in einer Phase massiven politischen Drucks und ökonomischer Unsicherheit. Wie Jens Südekum unterstreicht, hängt die Stabilität des Dollars und damit der internationalen Wirtschaft entscheidend an der Unabhängigkeit der Fed – ein Wert, den Warsh verteidigen muss. Jüngste Wirtschaftsdaten und Stimmen zeigen: Die Inflation in den USA könnte sich fünf Prozent annähern, was Zinssenkungen – wie von Trump befürwortet – eigentlich ausschließt. Innerhalb der Fed scheiden sich die Geister extrem, klassische Notenbanker stemmen sich gegen politische Einflussversuche. Über Warshs Fähigkeit, sich in diesen Wirren zu behaupten, gibt es indes gemischte Prognosen und Skepsis. Im Netz diskutieren Experten, ob Warsh Distanz zur Politik wahrt oder ob eine Wende der Geldpolitik bevorsteht. Erweiterung: - Die Süddeutsche Zeitung berichtet ausführlich über die anhaltende Debatte in der US-Notenbank: Die Inflation bleibt hoch, während wirtschaftspolitischer Druck auf Zinssenkungen wächst; in dem Artikel mehren sich Stimmen, die eine Rückkehr zu unabhängigerer Geldpolitik fordern, um das Vertrauen der Märkte nicht unnötig aufs Spiel zu setzen (Quelle: Süddeutsche Zeitung). - Die FAZ analysiert die ersten Schritte von Warsh und beschreibt, wie die politischen Erwartungen aus Washington unmittelbar nach der Amtsübernahme auf ihn einprasseln; der Artikel hebt hervor, mit wie viel Skepsis und Unsicherheit die Finanzmärkte das neue Fed-Regime beobachten (Quelle: FAZ). - Die Zeit veröffentlicht einen Hintergrundbericht zu Powells Nachfolge: Dort wird betont, dass der Machtwechsel in einer historischen Phase von Zinsunsicherheit erfolgt und überraschende interne wie externe Drucksituationen beschreibt; es bleibt offen, ob Warshs klares Profil für Stabilität oder neue Turbulenzen sorgt (Quelle: DIE ZEIT).