Manchmal frage ich mich ehrlich, wie fern eine Partei von der Lebensrealität der Menschen entfernt sein kann – und dann stolpere ich über Aussagen wie von Irene Mihalic, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, die über den Vorstoß der Unions-Mittelstandsunion spricht. Mihalic kritisierte scharf, dass die Bundesregierung nun Farbe bekennen müsse: Wird sie tatsächlich auf das Ansinnen eingehen, Teilzeitmöglichkeiten für Arbeitnehmer weiter zu beschränken? Für sie ist der Vorschlag der Union offenbar ein Vertrauensbruch gegenüber Menschen, die im Alltag ohnehin schon jonglieren: Kinder betreuen, sich um kranke Angehörige kümmern oder womöglich einfach nach einem besseren Gleichgewicht suchen – das scheint bei der CDU nicht recht ins Bild zu passen.
Was der Union als notwendige Reglementierung erscheint, klingt für Mihalic nach einer – ich zitiere mal frei – „Lifestyle-Verunglimpfung“, eine Art Misstrauensvotum gegen alle, die nicht im klassischen 9 bis 5 Vollzeitmodell arbeiten (wollen oder können). Teilzeit, so Mihalic, dürfe doch nicht zur Gunst der CDU werden – vielen stünde schlicht das Wasser bis zum Hals, wenn Vollzeit die einzige Option wäre, und nicht wenige dürften dann vor der Wahl stehen: Job oder Leben? Das nun vorgestellte Papier der Mittelstands- und Wirtschaftsunion will den Rechtsanspruch auf Teilzeit drastisch eindämmen – Gründe wären dann zwingend nachzuweisen, wie etwa Familienpflege oder Kindererziehung. Ein Schritt zurück, den nicht nur viele Grüne als völlig an der Realität vorbei beschreiben. Und nebenbei: Auch innerhalb der Union rumort es, ganz einig ist man sich da offenbar nicht.
Die Debatte um den Rechtsanspruch auf Teilzeit spitzt sich weiter zu. Die Grünen fordern im Bundestag klar Stellung zu beziehen, nachdem die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU vorgeschlagen hat, diesen Anspruch nur noch bei nachweislich wichtigen Gründen – wie etwa Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen – zu gewähren. Während Irene Mihalic, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, die Vorstöße scharf als realitätsferne Gängelung und Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern kritisiert, gibt es selbst innerhalb der Union Gegenwind. Neuere Diskussionen vertiefen, dass der Arbeitsmarkt zeitgemäße Flexibilisierung braucht, gleichzeitig aber auch Unternehmen wie Gewerkschaften unsicher sind, wie eine faire und produktive Lösung aussehen kann. In Medien wie der Süddeutschen Zeitung wird deutlich, dass viele Beschäftigte auf Teilzeitmodelle angewiesen sind, gerade mit Blick auf die Generationen, die neben dem Job Care-Arbeit leisten. Unterdessen verstärken sich gesellschaftliche Debatten: Während einige Politiker vor einem „Wohlfühlstaat“ warnen, betonen andere, dass nur mit flexibleren Arbeitszeiten Erwerbsarbeit und Privatleben sinnvoll vereinbar bleiben.