Mal ehrlich: In Deutschland stehen viele Menschen ohnehin am Rand der Belastbarkeit. Annika Klose, sozialpolitische Sprecherin der SPD, findet deutliche Worte – sie sieht in den MIT-Vorstößen einen offensichtlichen Trugschluss. 'Mit immer mehr Druck auf Arbeitnehmende werden wir kaum Fachkräfte gewinnen. Stattdessen drohen uns ausgebrannte Belegschaften', meint sie. Klose argumentiert: Wer wirklich etwas verändern wolle, müsse Minijobs und Ehegattensplitting abschaffen – aber nicht an der Teilzeit schrauben. Dass die MIT in ihren Augen populistisch auf dem Rücken der Beschäftigten Politik macht, bedauert sie ausdrücklich.
Auch Rasha Nasr aus der SPD-Fraktion schlägt in die gleiche Kerbe. Sie hält Teilzeit für nicht weniger als eine Notwendigkeit, um Beruf, Familie, Pflege oder auch eigene Gesundheit überhaupt unter einen Hut bringen zu können. Den Vorwurf, Teilzeit arbeitende Menschen seien unsolidarisch, weist sie empört zurück.
Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD, sieht zudem einen grundsätzlichen Denkfehler: Wer Sozialleistungen für Teilzeitkräfte einschränken will, nimmt laut ihm keinesfalls das Ziel der Fachkräftesicherung ins Visier – sondern betreibt rein ideologisch motivierte Politik. Wenn schon mehr Arbeitsstunden, so Roloff, dann bitte mit Hilfe besserer Kinderbetreuung, sinnvoller Entlastungen bei der Pflege oder mit positiven Anreizen – aber ganz sicher nicht mit Druck und Sanktionen.
Die Diskussion um den Teilzeitanspruch flammt im politischen Berlin hitzig auf: Die SPD verteidigt das Recht auf Teilzeitarbeit nachdrücklich gegen die Forderungen der Wirtschafts- und Mittelstandsunion, den gesetzlichen Anspruch zu streichen. Viele sehen darin einen Frontalangriff auf die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben sowie auf die Gesundheit von Arbeitnehmern. Neuere Berichte aus Medien wie der Süddeutschen Zeitung und der FAZ heben hervor, dass Teilzeit in Deutschland für viele Pflegende, Eltern und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen essenziell ist – und warnen vor einer wachsenden sozialen Kluft bei einer möglichen Abschaffung. Zusätzlich zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit entscheidend für die Beschäftigungsfähigkeit von Frauen und älteren Arbeitnehmern sind und damit zur Stabilität des Arbeitsmarkts beitragen. Auch international steht Deutschland im Vergleich mit anderen Industrieländern gut da, was gesetzlich abgesicherte Arbeitszeitflexibilität betrifft – ein Rückschritt könnte die Position des Landes schwächen.