In einem bereits vorab aufgezeichneten Gespräch für die ARD-Sendung "Caren Miosga" stellte Boris Pistorius klar, dass er eine öffentliche Entschuldigung von Donald Trump wegen dessen Äußerungen über Afghanistan für notwendig hält. Offen sagte er: "Ja, natürlich wäre das angebracht. Es wäre ein Zeichen des Respekts und der Fairness, auch zum Gedenken derer, die gefallen sind." Pistorius erinnerte daran, dass 59 Bundeswehrsoldaten im Einsatz in Afghanistan ihr Leben verloren und viele weitere schwer verletzt wurden – unter anderem beim Karfreitagsgefecht 2010 in Kundus, das besonders bitter in Erinnerung blieb. "So über unsere Toten zu sprechen ist unanständig und schlicht respektlos. Man kann nicht im Nachhinein behaupten, wir seien nicht zur Seite der USA gestanden", betonte der Minister. Zugleich riet er dazu, nicht auf jede Provokation Trumps zu reagieren: "Wenn wir jeden Kommentar aus den sozialen Netzwerken oder von Pressekonferenzen parieren wollten, wäre der Tag viel zu kurz für die wirklich wichtigen Dinge." Was die nächste Begegnung mit seinem US-Amtskollegen betrifft, will Pistorius das Thema dennoch nicht aussparen: "Wenn sich die Gelegenheit bietet – na klar." Außerdem verteidigte Pistorius die Beteiligung der Bundeswehr an der Nato-Mission in Grönland gemeinsam mit anderen Partnern. Die kurzfristige Drohung Trumps mit Strafzöllen gegen beteiligte europäische Staaten nannte Pistorius rückblickend ein Missverständnis aus Washington – schließlich war man sich unter den Nato-Partnern einig gewesen. Abschließend blickte er nüchtern auf das transatlantische Bündnis: "Unsere blinde Verlässlichkeit gegenüber den USA ist vorbei – das gilt es zu akzeptieren, und das ist der Wandel unserer Zeit." Nichtsdestotrotz sei Europa dabei, die eigene Verteidigungsfähigkeit massiv zu stärken und gemeinsam mit den Partnern bis 2029 ein neues Niveau zu erreichen.
Pistorius' offene Forderung nach einer Entschuldigung von Donald Trump für dessen Afghanistan-Äußerungen unterstreicht die wachsenden Spannungen im Verhältnis zwischen USA und Deutschland – und generell innerhalb der Nato. Der Verteidigungsminister markiert klar, dass Europa zunehmend auf eigene Fähigkeiten setzen muss, während das traditionelle Vertrauensverhältnis zu Washington schwindet. Hinzu kommt, dass Pistorius die Bedeutung respektvoller Erinnerungskultur betont – gerade angesichts der Opfer, die im Rahmen internationaler Missionen wie in Afghanistan gebracht wurden.
Neue Berichte der Süddeutschen Zeitung beleuchten zudem, wie die deutschen Bundeswehrreformen und geplante Verteidigungsinvestitionen nicht nur nationale, sondern gesamteuropäische Verteidigungsstrukturen stärken sollen (Quelle: [Süddeutsche Zeitung](https://www.sueddeutsche.de)). Die taz thematisiert in einer aktuellen Analyse die wachsende Unsicherheit in der Nato durch den US-Wahlkampf und Trumps unkalkulierbares Verhalten (Quelle: [taz.de](https://taz.de)). Laut der FAZ werden Rüstungsprojekte europaweit koordiniert vorangetrieben, insbesondere als Reaktion auf die veränderte internationale Sicherheitslage (Quelle: [FAZ.net](https://www.faz.net)). Europa befindet sich, nicht zuletzt durch die anhaltenden geopolitischen Herausforderungen und die Erfahrungen aus Afghanistan, inmitten eines grundlegenden, strategischen Umdenkens.