Industrie-Spitzen warnen vor Instabilität durch globale Krisen

Viele Chefs großer Hersteller machen sich ernsthafte Sorgen: Kriege und Handelsstreitigkeiten bedrohen die Versorgung und Standfestigkeit der deutschen Industrie.

heute 13:13 Uhr | 2 mal gelesen

Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach – veröffentlicht im 'Spiegel' und im Auftrag des BDI durchgeführt – blicken viele Führungskräfte aus 154 deutschen Industrieunternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitenden oder 100 Millionen Euro Umsatz skeptisch auf die aktuelle Lage. Mehr als die Hälfte der Manager sieht erhebliche oder sogar gravierende Gefahren für ihre Arbeit durch gestörte Lieferungen von Materialien oder blockierte Transportwege. Interessanterweise meinen über 80 Prozent dennoch, ihr Betrieb selbst sei inzwischen recht widerstandsfähig. Klingt paradox? Ist es aber offenbar nicht: Laut BDI-Präsident Peter Leibinger hätten viele Firmen längst reagiert – durch Diversifizierung bei Zulieferern und Absatzmärkten. Perfekte Sicherheit gibt es jedoch nicht, nicht wenn irgendwo die Straße von Hormus dichtgemacht wird oder ein neuer Krisenherd aufflammt. Die Politik solle proaktiv helfen, fordert Leibinger: mit frühzeitigen Lagebildern, konkreten Krisenplänen und besserer Koordination von Bund und Wirtschaft. Was Deutschland bisher fehle, seien schlagkräftige Frühwarnsysteme, wie sie etwa Japan etabliert hat, um seine Abhängigkeit von China zu verringern. Positives auch: Bei Außenhandelsabkommen und staatlicher Förderung gibt’s Lob, und immerhin profitiert etwa ein Drittel der Unternehmen von Fördergeldern.

Die geopolitischen Unsicherheiten nehmen zu, und Industrie-Entscheider sind deshalb alarmiert: Allensbach fand heraus, dass mehr als die Hälfte der Topmanager deutliche Risiken für ihre Unternehmen sieht – etwa durch Störungen in globalen Lieferketten wegen Kriegen oder Handelsstreitigkeiten. Dennoch sind die meisten überzeugt, dass ihre eigene Firma besser gerüstet ist als früher, weil sie vielfältigere Lieferanten und Absatzwege aufgebaut haben. Trotzdem zeigen sich Schwächen bei der gesamtstaatlichen Krisenvorsorge, insbesondere im internationalen Vergleich: In Deutschland fehlt oft der schnelle Infofluss oder eine übergreifende Strategie, wie Japan sie vormacht. Neuere Medienberichte berichten zudem von weiteren Auswirkungen durch die andauernden Konflikte zwischen China und den USA, etwa auf die Chip-Industrie oder seltene Erden. In den letzten Tagen wurde in mehreren Quellen die schleppende Umsetzung von Frühwarn- und Kommunikationsmechanismen zwischen Politik und Wirtschaft in Deutschland kritisiert. Prominente Stimmen aus Forschung und Verbänden beklagen außerdem, dass viele KMUs noch stärker gefährdet seien als Großunternehmen. Die Forderungen nach einem „wirtschaftlichen Sicherheitsrat“ auf nationaler Ebene nehmen zu, parallel berichten Branchenportale über konkrete Anpassungen von Lieferketten in der deutschen Automobilindustrie und bei Maschinenbauern.

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