Fratzscher bringt es auf den Punkt: Die Chance auf wirkliche, tiefgreifende Reformen ist aktuell eher gering, und das liegt nicht zuletzt an der zerfahrenen Haltung innerhalb der Ampelregierung. Die eigentlichen Gräben verlaufen jedoch auch zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, die trotz Gesprächsbereitschaft an festen Prinzipien festhalten. Neuere Presseberichte berichten von einem Gipfel, der viel Dialog, aber wenig Konkretes brachte – die Hoffnung auf einen großen Kompromiss wirkt daher zunehmend brüchig. In aktuellen Hintergrundberichten wird zudem betont, dass knappes Geld, der Streit um Wachstumsstrategien (etwa Wirtschaftswachstum durch staatliche Investitionen vs. Sparmaßnahmen) und der anhaltende Einfluss geopolitischer Krisen die Reformdiskussion weiter erschweren. Innerhalb der Koalition sorgen unterschiedliche Ansichten zum Umgang mit der Schuldenbremse und der Priorisierung von Sozialleistungen für zusätzliche Spannungen, was die Suche nach Reformkompromissen lähmt. Währenddessen wächst in der Wirtschaft wie bei Arbeitnehmerverbänden der Druck auf die Politik, endlich klare Weichenstellungen zu liefern, um Planungs- und Zukunftssicherheit herzustellen.