Joschka Fischer befürchtet Destabilisierung des Iran durch US-Militäraktion

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) äußert scharfe Bedenken gegenüber der aktuellen US-Militärintervention im Iran und warnt vor massiven Folgen für die gesamte Region.

heute 14:00 Uhr | 5 mal gelesen

Joschka Fischer, der einst als Außenminister Deutschlands prägte und für seine direkte Art bekannt ist, findet deutliche Worte zum Eingreifen der USA im Iran. 'Trump agiert ohne einen durchdachten Plan', bemerkte Fischer im Gespräch mit dem 'Handelsblatt' – und ließ durchblicken, wie sehr ihm das Fehlen einer langfristigen Strategie aufstößt. Die Amerikaner – so seine Ansicht – wollen offenbar einen Regimewechsel erzwingen, doch was danach passieren soll, ist unklar oder schlicht nicht bedacht worden. Fischer erinnert an Libyen, wo der Sturz Gaddafis zu Chaos, Gewalt und letztlich jahrelanger Instabilität führte. Wer glaubt, der Iran sei ein einfacher Domino-Stein, der ausgetauscht werden kann, irrt gewaltig. Ein Bürgerkrieg oder auch nur eine fragmentierte, unregierbare Situation würde nicht nur Hungersnot, Flucht und Gewalt bedeuten, sondern könnte eine Kettenreaktion in Nahost auslösen. Fischer geht noch weiter: Sollte trotz Krieg das gegenwärtige Regime bestehen bleiben, könnte es mit noch größerer Entschlossenheit das Streben nach Atomwaffen forcieren, gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen. Das wäre dann das Gegenteil dessen, was die US-Strategie offenbar beabsichtigt.

Im Kern bringt Fischer sein Unbehagen angesichts eines US-Militäreinsatzes im Iran auf den Punkt – und die Argumente sind vielschichtig: Fehlt es an einem Plan für das Danach, droht ein Wiederholungsfall der libyschen Tragödie. Ein Sturz des Regimes könnte die Region ins Verderben stürzen, und paradoxerweise könnten die alten Machthaber am Ende sogar gestärkt sein – mitsamt neuer Atomambitionen. In anderen aktuellen Berichten ist zu lesen, dass die Stimmung im Iran selbst zwischen Angst und Repression schwankt und gleichzeitig internationale diplomatische Versuche zur Deeskalation laufen. Insbesondere in jüngsten Artikeln von "FAZ" und "Spiegel" wird hervorgehoben, wie groß die Unsicherheit bei den iranischen Bürgern ist und dass westliche Staaten weiterhin hoffen, einen offenen Flächenbrand verhindern zu können.

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