Kassenärzte fürchten Zusammenbruch der Hausarztversorgung
Nicht nur der Hausärzteverband schlägt Alarm: Auch Andreas Gassen, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), zeigt sich entsetzt über die geplanten Einsparungen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Er bezweifelt, dass unter solchen Umständen ein funktionierendes Primärversorgungssystem überhaupt noch denkbar ist.
heute 13:00 Uhr | 7 mal gelesen
Die politische Unterstützung für verbindliche Strukturen seitens der Patienten? Fehlanzeige. Gassen stellt offen in Frage, wie mit weniger Geld und stetig steigender Belastung von Ärzten noch ein funktionsfähiges System möglich sein soll. Auch der Hausärzteverband hält wenig zurück: Man redet von einem "Desaster", von einem eigentlichen Zerstörungsprogramm für die ambulante Versorgung auf dem Land, wie in der Stadt. Zugegeben, mir fällt es auch schwer nachzuvollziehen, weshalb gute Versorgung scheinbar einen Sparzwang nach dem anderen ertragen muss. Jeder zweite Patient müsste eigentlich einen Hausarzt finden – aber es sieht zusehends aus, als wäre das bald nur noch ein frommer Wunsch.
Die Diskussion um die Sparpläne von Bundesgesundheitsministerin Warken hat die Debatte um die Zukunft der Primärversorgung neu entfacht. Immer mehr Ärztegruppen äußern massive Zweifel, ob Hausärztinnen und Hausärzte unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch ausreichend finanziell motiviert werden können, die Versorgung zu sichern. Laut aktuellen Recherchen steht Deutschland ohnehin vor einem gravierenden Ärztemangel, besonders im ländlichen Raum – diverse Experten warnen vor weiteren Abwanderungen und einer Verschärfung des Problems. Hinzu kommt: Nach neuen Berichten zahlt Deutschland zwar bereits hohe Summen für das Gesundheitssystem, doch es krankt an der Verteilung – davon profitieren große Kliniken, während Praxen auf dem Land oft zu kurz kommen. Die Stimmen, die ein radikales Umdenken fordern, werden lauter – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Zahl der älteren und chronisch kranken Menschen in den kommenden Jahren deutlich wächst.