KI im Büro: Viel Wirbel, wenig Fortschritt? – Warum Deutschlands Wissensarbeit weiterhin im Leerlauf verharrt

Heidenheim an der Brenz – Schlaue digitale Helfer wie KI-Programme krempeln derzeit die deutschen Büros um – wirklich effizienter läuft der Alltag dadurch aber noch lange nicht. Im Gegenteil: Eine Langzeitstudie der Büro-Kaizen® GmbH unter Leitung von Prof. Dr. Daniel Markgraf von der AKAD Hochschule Stuttgart zeigt, dass zwar immer mehr Tools genutzt werden, aber der gewünschte Durchbruch bei der Teamarbeit ausbleibt. Rund ein Drittel der Zeit verpufft weiterhin in überflüssigen Meetings und undurchsichtiger Kommunikation – die Digitalisierung scheint zwar angekommen, aber noch nicht ausgewertet.

vor 40 Minuten | 2 mal gelesen

Stellt man sich die Ergebnisse plastisch vor, ergibt sich folgendes Bild: 94 Prozent der Büroangestellten hantieren mittlerweile mit KI-Systemen, 92 Prozent haben oder planen Cloud-Lösungen für ihre Daten, 82 Prozent führen auch ihre private Ablage digital. Eigentlich, so Patrick Kurz von Büro-Kaizen, wäre damit die Digitalisierung spätestens jetzt gesetzt. Aber kurioserweise sind es nicht die Mitarbeitenden selbst, die mauern, sondern das wacklige digitale Fundament der Unternehmen. Seit 2013 hat sich etwa die Zeit für Dateisuche um satte 76 Prozent erhöht – das klingt fast nach einer digitalen Schnitzeljagd ohne Happy End. Vier von fünf Befragten wünschen sich daher mehr Unterstützung, um technische Potenziale auszuschöpfen. Kuriose Randnotiz: Spuckt ein KI-System mal eben das Gehalt des Chefs aus, ist das eben nicht clever, sondern mies verwaltet. Ohne klares Rechte-Management kann quasi jeder Lehrling durch die sensibelsten Firmendaten blättern. Zwei Drittel der Unternehmen haben immer noch kein klares Regelwerk für ihre Ablagen: Das Chaos feiert fröhliche Urstände. Obwohl Künstliche Intelligenz ganze Romane an Lösungsvorschlägen ausspucken kann, zerreiben sich dann wieder die Kollegen beim Durcharbeiten langatmiger KI-Texte. Die Qualität der Kommunikation hat, so der O-Ton der Studie, nicht zugenommen – im Gegenteil. Das bringt auch keinen Fortschritt. Alte Probleme dominieren weiter: Sechs von acht Stunden wird mit E-Mails und Besprechungen verbracht, die Hälfte davon empfindet man als reine Zeitverschwendung. Unternehmen schreiben zwar auf die Agenda, was sich ändern müsste – umgesetzt wird aber oft nicht: 39 Prozent der in Meetings gefassten Beschlüsse verlaufen gemäß der Studie im Sand. Das Fazit der Forscher ist wenig zimperlich: Ohne ordentliches digitales Grundgerüst und verlässliche Regeln nutzt auch die schlauste KI nichts. Digitalisierung muss nicht nur hübsch, sondern durchdacht sein. Sonst bleibt KI wie ein Ferrari im ersten Gang – laut, teuer, wirkungslos.

Die vierte Ausgabe der Büro-Kaizen-Langzeitstudie verdeutlicht, dass die Integration von KI in deutschen Büros bislang kaum Effizienzgewinne am Arbeitsplatz bringt. Hauptproblem sind nach Ansicht der Forscher fehlende Strukturen bei der digitalen Ablage, unzureichende Verhaltensregeln für Zusammenarbeit und Kontrolle sowie eine wachsende Komplexität durch KI-gestützte Kommunikation. Trotz steigender Nutzung digitaler Tools verbringen Angestellte weiterhin erhebliche Zeit mit ineffektiven Meetings und E-Mails – und der Anteil unerledigter Aufgaben bleibt hoch. Im aktuellen Wirtschaftskontext verschärft sich dieser Befund: Laut FAZ verschiebt sich die Produktivität deutscher Unternehmen trotz KI und Homeoffice kaum, da starre Organisationsformen und mangelnde Schulungen die Potenziale ausbremsen. Die Süddeutsche berichtet über die Angst vieler Angestellten vor Kontrollverlust durch KI und eine „doppelte Kommunikation“, die eher lähmt als befreit. Auf Spiegel Online wird hervorgehoben, dass Unternehmen zwar Milliarden in Automatisierung investieren, der Effizienzgewinn aber ausbleibt, weil Change-Management und Reform der Meetingkultur fehlen.

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