Ein kurzer Rückblick: Seit 2010 gilt auf dem deutschen Arzneimittelmarkt ein Preisstopp. Was klingt wie ein Mittel gegen Inflation, trifft gerade die Kleinsten hart. Das BStabG will den Schraubstock weiter anziehen: Zukünftig soll sich der Preis für neue Medikamente an dem niedrigsten am Markt existierenden Preis für denselben Wirkstoff orientieren – und zwar wirkstoffübergreifend, egal ob das alte Produkt für Kinder taugt oder nicht. Dr. Joachimsen bringt es auf den Punkt: Wer heute überlegt, einen bekannten Wirkstoff gezielt für Kinder weiterzuentwickeln, rechnet von Anfang an mit roten Zahlen. Die logische, fast schon triste Konsequenz? Diese Medikamente werden schlicht nicht entwickelt. Ein Schlag ins Kontor, findet der BPI.
Bis zu 90 Prozent aller in der Praxis verwendeten Medikamente bei Kindern sind überhaupt nicht offiziell für sie zugelassen – sie sind sogenannte Off-Label-Drugs. Das ist nicht nur riskant, sondern wirft auch ethische und haftungsrechtliche Fragen auf. Pediatrics gilt ohnehin als schwieriges Fach: Kinder brauchen angepasste Dosierungen und Darreichung, andere Hilfsstoffe, ja sogar eigene Verpackungen, die sie weder erschrecken noch gefährden. Schon jetzt läuft vieles improvisiert, weil es einfach an passenden Produkten fehlt. Das geplante Gesetz bedeutet aus Sicht des BPI nichts anderes als: Diese Mängel werden zementiert, vielleicht sogar verschlimmert.
Und – als ob das noch nicht genug wäre: Selbst auf EU-Ebene gibt es kaum gezielte Fördertöpfe oder Impulse für Kinderarzneien. High-Tech, KI, Biotech – ja. Aber für die pädiatrische Weiterentwicklung altbewährter Wirkstoffe? Fehlanzeige. Besonders die sogenannten PUMA-Arzneimittel – also spezielle Zulassungserweiterungen für Kinder – bleiben auf der Strecke. Eine Biotech-Offensive hier, eine Lücke dort. "Gute Werbung für teure Wissenschaft, aber eines der dringendsten Versorgungsprobleme bleibt ungelöst", sagt Joachimsen. Man kann ihm da kaum widersprechen.
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Das geplante BStabG droht, die Versorgung von Kindern mit notwendigen Arzneimitteln weiter zu erschweren. Wie Branchenexperten kritisieren, sorgt die geplante Preisbindung dafür, dass pharmazeutische Unternehmen nicht mehr in die aufwendige und kostspielige Entwicklung kindgerechter Medikamente investieren wollen – mit der Folge, dass der Anteil an sogenannten Off-Label-Präparaten hoch bleibt. Neue Details aus den letzten Tagen zeigen, dass viele Apotheken bereits jetzt mit Lieferengpässen bei Kinderarzneimitteln zu kämpfen haben; beispielsweise berichtete die 'Süddeutsche Zeitung', dass sich Eltern und Ärzte zunehmend über fehlende Säfte und Tropfen beklagen, was den Handlungsdruck erhöht. Die politische Debatte verschärft sich: Während die Regierung die Sparmaßnahmen verteidigt, warnen Experten vor einer Welle schlechter Versorgung und schieben Brüssel eine Mitverantwortung zu – die EU fördert vor allem innovative Biotechnologie, aber ignoriert nach Ansicht vieler die Bedürfnisse der Kinder. Neue EU-Richtlinien sind zwar in Planung, erscheinen aber vielen zu halbherzig, weil sie keine echten finanziellen Anreize für Kinderarzneien schaffen. Der Tenor der aktuellen Pressestimmen ist eindeutig: Die Situation wird ernster und eine schnelle, gezielte Lösung bleibt bislang aus.