Klingbeil: Entwicklung in Venezuela gibt Anlass zur Sorge

SPD-Chef Lars Klingbeil warnt nach dem US-Vorgehen gegen Venezuelas Präsident Maduro vor gefährlichen Präzedenzfällen. Der autoritäre Kurs Maduros rechtfertige nicht das Ignorieren internationalen Rechts, so Klingbeil.

04.01.26 14:52 Uhr | 71 mal gelesen

Klingbeil fand klare Worte: Auch wenn Maduro sich mit Härte an die Macht klammere, könne dies keinesfalls ein Freifahrtschein für verstöße gegen internationales Recht sein – von wem auch immer. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gab sich zurückhaltender und gab zu verstehen, dass die rechtlichen Aspekte des US-Einsatzes schwierig und daher sorgfältig geprüft werden müssten. Dass im internationalen Miteinander das Völkerrecht nicht außer Kraft gesetzt werden dürfe, darüber sei man sich aber einig. SPD-Fraktionsvize Siemtje Möller ging noch einen Schritt weiter: Sie forderte, Präsident Trump müsse durch die Bundesregierung spürbar in die Pflicht genommen werden. Für Möller stehe fest, Trumps Administration müsse Wege für einen friedlichen Machtwechsel und eine neue Demokratie in Venezuela eröffnen – und dabei sollten auch Rohstoffe wie Öl keine Rolle in politischen Machtspielen spielen. Auch an die Adresse Berlins richtete sie Worte: Deutlicher Einsatz auf diplomatischer Ebene sei jetzt gefragt. Fest stehe, so Möller: Die völkerrechtswidrige Absetzung Maduros bleibe illegal, egal, wie das Regime zuvor gewütet habe.

Die Spannungen zwischen den USA und Venezuela heizen die Debatte um internationale Normen erneut an. Während Klingbeil die undemokratische Führung Maduros klar kritisiert, sieht er dennoch im Handeln der USA – insbesondere im militärischen Eingreifen – eine neue Gefährdung der internationalen Ordnung. Deutsche Politik mahnt an, dass rechtsstaatliche Prinzipien und diplomatische Lösungen nicht hinter geopolitischen Interessen zurücktreten dürfen. Im aktuellen Weltgeschehen wird Venezuela zur Bühne für altbekannte Muster: Machtpolitik gegen regelgebundene Zusammenarbeit, Freiheit gegen Stabilität. Die Mehrheit der europäischen Staaten fordert freie Wahlen, ist aber auch zunehmend besorgt über das Überspringen völkerrechtlicher Grenzen durch die Vereinigten Staaten. Jüngste Berichte (taz, Zeit, Spiegel) heben zudem hervor, wie groß die Kollateralschäden für die venezolanische Bevölkerung sind – nicht nur durch den Machtwechsel, sondern auch wegen stagnierender Wirtschaft, internationaler Sanktionen und politischer Isolation. Die neue Lage verschärft einmal mehr die Frage, ob Interventionen von außen langfristigen Wandel oder bloß zusätzliche Konflikte bringen.

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