Knapper Sprit: Sorgen um Fluggesellschaften und Verbraucher

Angesichts der drohenden Kerosin-Engpässe warnen Verbraucherschützer vor Pleiten bei Airlines – mit möglicherweise gravierenden Folgen für Reisende.

heute 13:06 Uhr | 5 mal gelesen

Selbst wenn man eigentlich denkt, Kerosin sei eines dieser Dinge, um die man sich im Alltag gar keine Gedanken macht, sieht die Realität plötzlich ganz anders aus. Ann-Cathrin Beermann vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) schlägt Alarm: Kommt der Treibstoff richtig in die Bredouille, könnten mehrere Airlines vor der Insolvenz stehen. Wer dann rein als Einzelperson mit einer selbst gebuchten Flugreise dasteht, hat oft das Nachsehen – meist ist das bezahlte Geld futsch, Rückzahlung aus der Unternehmenspleite-Couch gibt’s nur selten. Also: Ausgerechnet die, die ohnehin keine Rundumsorglos-Paket-Reise gebucht haben, trifft es am härtesten. Schon jetzt habe man gesehen, wie schnell ein paar Hundert Euro einfach verschwinden können, wenn eine Airline pleitegeht. Beermann drängt auf einen Schutzschirm für Individualreisende: Ein Fonds solle auch sie mit auffangen – alles andere sei Augenwischerei.

Eine Randbemerkung dazu: Wer vom Kerosinmangel betroffen ist, weil Flüge gestrichen werden, kann mit Umbuchungen oder Erstattungen rechnen – das ist noch der kleinere Schmerz. Viel ernster, findet Beermann, wäre es für jene, die plötzlich irgendwo festsitzen, weil ihre Fluglinie nicht mehr existiert.

Währenddessen bringen die Grünen eigene Vorschläge ein: Weniger Privatflüge, Einschränkung der Kurzstreckenfliegerei, Billigere Tickets für Bus und Bahn – Michael Kellner, deren energiepolitischer Sprecher, will die richtig dicken Spritschlucker erstmal am Boden lassen, solange der Sprit knapp ist. Gleichzeitig mahnt er: Wichtige Flüge, wie für medizinische Notfälle, sollten weiterhin Vorrang haben. Alles vor dem Hintergrund der düsteren Prognose der Internationalen Energieagentur: Reichen die Vorräte wirklich nur noch wenige Wochen, wenn der Flaschenhals Straße von Hormus verstopft bleibt? Fliegen wird zum Luxus, Alternativen sollten dringend gestärkt werden, fordern viele. Und irgendwo in der Lausitz könnte längst umweltfreundliches Kerosin produziert werden – wenn die Bundesregierung sich mal entscheiden würde. Aber so läuft es oft: Untentschlossenheit statt Vorwärtsgang.

Mit Blick auf den aktuellen Konflikt am Persischen Golf und die daraus resultierende Verknappung von Kerosin wächst die Sorge um die Stabilität europäischer Fluggesellschaften und die Sicherheit der Reisenden. Verbraucherschützer kritisieren die mangelhafte gesetzliche Insolvenzabsicherung für Individualreisende, was besonders bei spontanen Airline-Pleiten zu finanziellen Verlusten führen kann. Parallel dazu fordern Politik und Energieexperten ein Umdenken im Mobilitätssektor – kurzfristig durch Priorisierung wichtiger Flüge und Förderung des Bahnverkehrs, langfristig durch Investitionen in synthetische Kraftstoffe und eine Stärkung nachhaltiger Alternativen. Die Internationale Energieagentur hat jüngst in ihrer Prognose unterstrichen, wie schnell sich die Lage zuspitzen kann, wenn geopolitische Unsicherheiten Lieferketten stören. Gerade weil zum Beispiel in der Lausitz Projekte für grünes Kerosin bislang auf politischer Ebene blockiert werden, geben viele Akteure zu bedenken, dass Deutschland schleunigst seine Resilienz im Verkehrssektor steigern muss. Auch einheitliche europäische Notfallpläne stehen zur Debatte, um im Ernstfall Reisende besser zu schützen.

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