Man kann sagen, es ist fast schon ein Ritual: Große Fußballturniere laufen, und plötzlich flitzt der Daumen vieler Deutscher über den Screen – meistens, um sich per Liveticker auf dem Laufenden zu halten. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage tun das immerhin vier von zehn Menschen. Und klar, die Nachrichten-Applikationen schicken inzwischen auch fleißig Pushs; etwa ein Drittel lässt sich so direkt aufs Smartphone Tore, rote Karten oder Dramen servieren. Interessant ist: Es gibt offenbar so etwas wie digitalen Fußball-Smalltalk. Mehr als jede:r Sechste beteiligt sich an Diskussionen in Online-Foren oder Fan-Communitys, während ein Viertel die sozialen Medien für Echtzeit-Debatten nutzt.
Neugierig finde ich die Zahl, wie viele beim Chatten, Twittern oder Scrollen prompt Tore übersehen – 37 Prozent sagen, das ist ihnen schon passiert. Offensichtlich ist das digitale Parallel-Ritual zum Spiel nicht ohne Tücken. Wenn es ums Zuschauen selbst geht, bleibt der Livestream das Mittel der Wahl: Über die Hälfte fiebert auf legalen, meist kostenlosen Internet-Streams mit, wobei sich immerhin fast 40 Prozent einen kostenpflichtigen Zugang leisten. Podcasts, Internetradio – diese Formate spielen ebenfalls eine wachsende Rolle, wobei sie immer noch vergleichsweise selten genutzt werden. Insgesamt, und das ist ziemlich eindeutig, ist der Griff zu digitalen Angeboten für Turnierzeiten in Deutschland die neue Norm (sechs von zehn greifen demnach zu digitalen Wegen).
Für den Überblick: Befragt wurden gut tausend Menschen ab 16 Jahren – wichtig, weil schließlich auch jüngere Fans entscheidend für die digitale Entwicklung sind. Die Umfrage fand zwischen der 17. und 21. Kalenderwoche 2026 statt.
Fußballturniere sind längst digitale Großereignisse. Die Bitkom-Umfrage zeigt, dass traditionelle Liveticker zwar weiter beliebt sind, aber Streaming und Social Media ebenso fest im Alltag vieler Fans verankert sind. Auffällig ist, wie oft parallele Nutzung zu verpassten Spielmomenten führt – das Smartphone wird zum doppelten Segen und Fluch der deutschen Fußballleidenschaft. Wer intern nachrecherchiert, findet: Sowohl taz als auch tagesschau berichten aktuell besonders über Begleitphänomene wie Second Screen-Nutzung oder die Rolle sozialer Netzwerke während der EM 2024. Laut DW.com setzen immer mehr Plattformen auf interaktive Features, damit Fans Spielgeschehen und Community verbinden können. Die Zeit hebt in einem aktuellen Artikel hervor, wie sehr Streaming-Anbieter durch Exklusivrechte die Medienlandschaft verändert haben; zugleich bleibt das Bedürfnis nach unkomplizierten, kostenlosen Livetickern bestehen.