Losverfahren für Wehrdienst? Große Mehrheit winkt ab

Die Vorstellung, beim Wehrdienstgesetz per Los zu entscheiden, wer ranmuss, stößt bei den Menschen in Deutschland auf wenig Gegenliebe.

19.10.25 00:03 Uhr | 175 mal gelesen

Dass ausgerechnet das Los entscheiden soll, wer zur Musterung muss, halten offenbar die wenigsten für eine tolle Idee. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Insa für „Bild am Sonntag“ finden es satte 60 Prozent der Befragten schlichtweg falsch, willkürlich ausgelost zu werden, falls sich zu wenige Freiwillige für den Grunddienst melden. Auf der anderen Seite bewerten nur 21 Prozent dieses Vorgehen als richtig – und immerhin elf Prozent zucken mit den Schultern: Ihnen ist das offenbar egal. Acht Prozent wollten sich dazu gar nicht äußern, was vielleicht auch so einiges sagt. Interessanterweise sind selbst die Anhänger der Union von dem Vorschlag, der eigentlich aus dieser Richtung kommt, nicht begeistert: 59 Prozent der CDU- und CSU-Wähler lehnen das Losverfahren ab. Bei den SPD-Anhängern beträgt die Ablehnung sogar 64 Prozent – fast zwei Drittel! Und während man meinen könnte, die junge Generation würde vielleicht flexibler auf so etwas reagieren, zeigt die Erhebung das Gegenteil. Von den 18- bis 29-Jährigen unterstützen gerade mal 20 Prozent das Modell, während die Hälfte der jungen Befragten es ablehnt. Was die Grundsatzfrage nach der Wehrpflicht betrifft, zeigt sich Deutschland, wie so oft, gespalten: 44 Prozent sind für die klassische Wehrpflicht wie eh und je – während 38 Prozent stattdessen lieber ein freiwilliges Grunddienstmodell sehen würden. Zwölf Prozent scheint beides nicht zu taugen, weitere sechs Prozent wissen vielleicht einfach nicht, wie sie sich dazu positionieren wollen oder können. Die Umfrage, für die am 16. und 17. Oktober insgesamt 1.003 Menschen befragt wurden, gibt damit ziemlich klar wieder, wie schwer sich viele mit dem Gedanken tun: Freiwilligkeit ja – aber bitte kein Glücksspiel um Musterung und Wehrdienst.

Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich entschieden gegen das im neuen Wehrdienstgesetz debattierte Losverfahren aus; nur eine Minderheit der Befragten stützt diese Idee. Über Parteigrenzen hinweg – sogar innerhalb der CDU/CSU – trifft der Vorschlag auf Skepsis, besonders unter jungen Erwachsenen, die Losverfahren sogar noch weniger akzeptieren als ältere Generationen. Stattdessen bleibt die Gesellschaft beim Grundsatz der Wehrpflicht grundsätzlich gespalten: Fast genauso viele befürworten die Rückkehr zur alten Wehrpflicht wie ein alternatives freiwilliges Modell. Medien- und Politikanalysen der letzten Tage verweisen darauf, dass angesichts veränderter sicherheitspolitischer Lage in Europa die Diskussion über Wehrpflicht und Grunddienste in Deutschland an Brisanz gewinnt, wobei mehr Jugendliche auch ethische und gesellschaftliche Fragen ins Zentrum rücken. Die politische Debatte wird zudem durch Forderungen nach einem gesellschaftlichen Konsens und Einbindung von Frauen und Diversität im Wehrdienst flankiert, während sich widersprüchliche Umfragewerte als Spiegelbild der unsicheren gesellschaftlichen Stimmung zeigen.

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