Reine Weste und Radikalkur: Die Bahn-Chefin Evelyn Palla krempelt alles um

Evelyn Palla, frisch an der Spitze der Deutschen Bahn, kündigt keinen halben Neustart, sondern eine radikale Kehrtwende bei Strukturen und Service der Bahn an.

19.10.25 00:03 Uhr | 388 mal gelesen

Manchmal reicht eben kein Flickenteppich: 'Wir krempeln den gesamten Konzern um,' ließ Evelyn Palla kürzlich in 'Bild am Sonntag' durchblicken. Frischtöne? Sicher. Halbheiten? Fehlanzeige. Alles soll auf den Prüfstand – und zwar aus Sicht der Fahrgäste. Überall, wo bisher Akten gestapelt wurden, sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden, so ihr Credo. Sie wolle nach eigenem Bekunden nicht bloß Makulatur betreiben: Jobprofile, die keinen echten Dienst am Kunden bringen, könnten bald der Vergangenheit angehören. Interessanter Nebensatz, den ich bemerkenswert fand: Entscheidungen sollen künftig von den Menschen gefällt werden, die direkt vor Ort Hand anlegen. Also: weg mit der diffusen Kette endloser Freigaben und Rücksprachen aus dem Bahntower. Die, die wirklich anpacken, bekommen mehr Verantwortung und Handlungsspielraum – ein durchaus frischer Ansatz in einem traditionell hierarchischen Unternehmen. Auch die Chefetage soll entschlackt werden – anscheinend hat Palla keine Lust mehr auf das Bürokratiemonster. Stattdessen will sie alles simpele handhabbar machen, Rückdelegationen vermeiden: 'Entscheidungen dort treffen lassen, wo die Verantwortung tatsächlich angesiedelt ist.' Klingt nach vollmundigen Versprechen – und doch: Wer tippt täglich voller Frust auf defekte Bordbistros, dreckige Fenster und schrammelige Wartehallen? Hier will Palla besonders ansetzen. Sauberkeit und einladende Bahnhöfe stehen auf der Agenda, dass jeder sich beim Einsteigen zumindest für einen Moment willkommen fühlt. Komfort – nicht als Märchen, sondern als Standard. Praktisch noch: Ein digitaler „Baustellen-Melder“ soll Kund:innen künftig auf Trab halten. Besser integriert in die DB Navigator-App versteht sich. Eine kleine Innovation, aber manchmal sind es ja die Details, die das große Ganze verbessern.

Evelyn Palla plant mehr als nur kosmetische Veränderungen bei der Deutschen Bahn: Sie setzt auf eine völlige Neuaufstellung der Konzernstrukturen und macht sich für die Verlagerung von Entscheidungsgewalt an die Basis stark, was Bürokratie abbauen und das Kundeninteresse endlich ins Zentrum rücken soll. Betriebsamkeit soll weniger im Bahntower entstehen, sondern direkt dort, wo Reisende es spüren – etwa durch saubere Züge, einladende Bahnhöfe und eine bessere digitale Kommunikation über Baustellen. Laut aktuellen Berichten und Stimmen aus der Bahnwelt sind diese Reformen dringend nötig: Die Deutschen Bahn kämpft seit Jahren mit Unzuverlässigkeit, chronischer Verspätung und dem Image einer unübersichtlichen Behördenstruktur. In den jüngsten Medienberichten (Stand: Juli 2024) steht die Bahn unter massivem Druck: Die Lokführergewerkschaft GDL etwa droht mit neuen Streiks, die Verspätungsquoten steigen in den Sommermonaten wieder deutlich an und der Frust bei den Kunden wächst – wie unter anderem bei taz und FAZ zu lesen ist. Der Personenverkehr hat seit dem Deutschlandticket zwar Zuwächse, gleichzeitig steigen jedoch auch die Herausforderungen beim Thema Kapazität und Pünktlichkeit (siehe SZ und Zeit). Zudem berichten Fachportale wie t3n und energieblogger.net, dass die Digitalisierung der Bahn-Infrastruktur – etwa durch KI-gestützte Wartung von Zügen – aktuell als Hoffnungsträger für mehr Effizienz gilt, der Weg dahin aber in der Praxis noch stockend verläuft.

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