Wenn Technik zur neuen Religion wird: KI-Visionen als moderne Heilslehren

Die Religionswissenschaftlerin Inken Prohl aus Heidelberg erkennt in den Utopien und Versprechen der Tech-Eliten zu Künstlicher Intelligenz beunruhigende religiöse Parallelen. Ideen wie die 'Superintelligenz' oder das Näherrücken der 'Singularität' wirken wie Glaubensangebote – beruhend auf Ahnungen mehr als auf Beweisen.

heute 18:23 Uhr | 2 mal gelesen

Wie so oft, wenn Menschen nach Erklärungen für das grundlegend Neue suchen, schleicht sich das altvertraute Muster religiöser Heilsversprechen hinter modernste Technologien. Die Zukunftserzählungen von Tech-Größen klingen manchmal wie messianische Botschaften: Erlösung durch Superintelligenz, Erlangung von Unsterblichkeit über digitale Wege – das sind, so Prof. Inken Prohl, keine klassischen Glaubenssysteme, aber eben auch keine nüchternen Fakten. Vielmehr, so mahnt sie, können diese Versprechen dazu führen, dass Risiken verschleiert und gesellschaftliche Kontrollmechanismen ausgehebelt werden. Damit bekommt die Religion der Technik, wenn man sie so nennen mag, ganz reale politische Sprengkraft. Die Rückbesinnung auf alte Kirchen erwartet Prohl indes nicht – auch wenn es da mal medienwirksame Ausreißer bei Taufen o. Ä. gibt, bleibt die Tendenz klar rückläufig. Dennoch verlässt das religiöse Bedürfnis nicht einfach die Bühne, sondern findet neue Formen: Politische Bewegungen, modische Lebensentwürfe und besonders eben die großen Erzählungen rund um KI adoptieren die alten Muster von Sinn, Hoffnung und Transzendenz. Vielleicht steckt darin auch eine Warnung: Selbst im Zeitalter der Algorithmen bleibt der Mensch empfänglich für Heilsversprechen.

Inken Prohl, eine anerkannte Expertin für Religionswissenschaft, sieht in den KI-Utopien von Tech-Eliten deutlich religiöse Strukturen. Sie warnt, dass Techniknarrative wie die der Superintelligenz mit Glaubensvorstellungen konkurrieren und Risiken ausblenden können – womöglich mit erheblichen Folgen für die Demokratie, da sie blinde Flecken und dogmatische Überzeugungen erzeugen. Prohl merkt zudem an, dass sich Religion in Europa weniger in den Kirchen, sondern immer stärker in solchen Sinn- und Zukunftserzählungen manifestiert – etwa durch politische Bewegungen oder eben durch technologische Visionen und deren Führergestalten. Weitere Recherchen zeigen, dass das Thema seit Tagen viele Medien beschäftigt. Während Prohl die religiösen Elemente im Umgang mit KI und Tech-Eliten betont, diskutieren andere Artikel vermehrt auch soziale, ethische und rechtliche Folgen der KI-Durchdringung: Datenschutz, Diskriminierung durch Algorithmen, sowie die gesellschaftliche Spaltung durch unterschiedliche Zugänge und Kontrollmöglichkeiten. Auch die Frage, wie Tech-Konzerne mit ihren Narrativen politische und gesellschaftliche Macht gewinnen und demokratische Strukturen beeinflussen, wird regelmäßig erwähnt.

Schlagwort aus diesem Artikel