Hapag-Lloyd bezweifelt raschen US-Militäreinsatz zum Schutz im Persischen Golf

Silke Lehmköster, Flottenchefin bei Hapag-Lloyd, hält den von Donald Trump versprochenen maritimen Schutz für Handelsschiffe in der Straße von Hormus für wenig realistisch. Die Hoffnung sei zwar vorhanden, sagt sie – aber die Einschätzung bleibt zurückhaltend.

heute 17:08 Uhr | 5 mal gelesen

Gerade jetzt – im Schatten anhaltender Konflikte rund um den Persischen Golf – zeigt sich, wie verwundbar unsere internationalen Seewege eigentlich sind. Die notwendigen Marineeinheiten, um Handelsschiffe wirksam zu eskortieren, fehlen vorne und hinten, lässt Silke Lehmköster, die nicht nur das Handwerk, sondern als Kapitänin auch das Meer selbst kennt, durchblicken. Ein Blick in den Maschinenraum ihrer Worte: 'Ein Marineschiff kann nur einen bestimmten Radius absichern', sagt sie. Klingt banal – ist aber in der Realität ein logistischer Alptraum. Zumal, wenn man die Menge der Schiffe berücksichtigt, die täglich durch diese Wasserstraße wollen – oder müssten. Dazu kommt: Der Iran hat die Passage an einer der wichtigsten Handelsadern der Welt blockiert. Hunderte Containerschiffe, darunter viele Hapag-Lloyd-Flaggen, sitzen im Golf fest. Die Herkules-Aufgabe, jedem einzelnen Kahn einen militärischen Schatten zur Seite zu stellen? Selbst ein Mann mit großen Worten wie Donald Trump wird da kleinlaut, auch wenn er auf Truth Social öffentlich verspricht, die US-Marine stehe bereit. Aber am Ende: Theorie und Praxis – nun ja, große Lücke.

Viele Reedereien stehen angesichts der Eskalation am Persischen Golf vor ernsthaften logistischen und finanziellen Problemen: Die Blockade der Straße von Hormus wirkt sich massiv auf den globalen Handel aus, vor allem für europäische Unternehmen wie Hapag-Lloyd. Internationale Militäreinsätze – vor allem von Seiten der USA – sind zwar angekündigt, es fehlen jedoch konkrete Pläne und Ressourcen, um wirklich flächendeckenden Schutz zu bieten. Laut aktuellen Presseberichten richtet sich die Aufmerksamkeit auch zunehmend auf diplomatische Lösungen und Umfahrungsrouten, die jedoch zeit- und ressourcenintensiv sind. Weitere aktuelle Entwicklungen zeigen, dass die Unsicherheit auf den Weltmeeren nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Implikationen hat. Die großen Redereien halten zwar engen Kontakt zu ihren Crewmitgliedern und versuchen die Sicherheit zu gewährleisten. Doch die Nerven liegen blank; eine klare Perspektive fehlt.

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